Mit wenigstens 100 Millionen NF täglichem Umsatz hat der Pariser Aktienmarkt in den letzten Wochen eine erhebliche Erweiterung erfahren. Aufträge fließen ihm von allen Seiten zu, indessen mehr von der französischen Privatkundschaft als vom Ausland. Die Interessengebiete wechseln schnell. Von der Berufsspekulation, die im allgemeinen nur sehr kurze Zeit ihre Engagements durchhält, werden immer wieder neue, sogenannte zurückgebliebene Werte entdeckt, die sich dann langsam – weil die Anregungen an die Kundschaft weitergegeben werden – in Bewegung setzen.

An den Terminmärkten häufen sich die täglichen Kursnotierungen. Ihr Charakter bleibt spekulativ, was unter anderem auch aus den jetzt wieder recht zahlreich gewordenen Prämienabschlüssen hervorgeht. Prämienkäufe für drei Monate mit 10 bis 15 vH über den Tageskursen sind, nichts Seltenes und bezeugen, daß die Käufer den Pariser Markt auch für die kommende Zeit optimistisch beurteilen.

Für das vergangene Geschäftsjahr sind bisher noch sehr wenig Abschlüsse veröffentlicht worden. Ende März werden sich die Bilanzveröffentlichungen häufen. Was bis jetzt bekanntwurde, läßt darauf schließen, daß 1960 ein recht gutes Geschäftsjahr war. Zahlreiche Gesellschaften werden überdies die durch das Gesetz vorgeschriebenen Bilanzaufwertungen in diesem Jahre durchführen, um von den damit verbundenen fiskalischen Vorteilen Nutzen zu ziehen. Da gut verdient worden ist, können auch die neu ausgegebenen Aktien ausreichend verzinst werden.

Warenhauswerte haben ihren Vormarsch fortgesetzt. In der Chemiegruppe sind seit der letzten Monatsliquidation erhebliche Kursgewinne festzustellen. Saint-Gobain haben den Bezugsrechtabschlag fast wieder eingeholt. Der größte europäische Flachglaskonzern, Glaces de Boussois, hat neue Rekordkurse erzielt. Versicherungsaktien beginnen nun auch langsam in Bewegung zu geraten. Sie werden von der Aufwertung ihres großen Immobilienbesitzes und dem Mehrwert ihrer Effektenportefeuilles in den Vordergrund geschoben. Alle Immobilienwerte haben neue Höchstkurse erreicht. Langsam beginnen nun auch Banken in das Blickfeld zu geraten. Union Europeene, die Hausbank des Schneiderkonzerns, hat ihre Bilanzsumme fast verdoppelt, aber noch keine Dividendenerklärung veröffentlicht. Von Montanwerten werden Trefileries du Havre in großen Beträgen aus dem Markt genommen. Francaise d’Entreprises, von denen die Suez-Gesellschaft 10 vH des Aktienkapitals übernahm, veröffentlichen eine Kapitalerhöhung und kündigen die Errichtung einer Fabrik für die Herstellung von Stahlkonstruktionen an. Retlaw