„...so richtig’ noch Natur und billig”? – Stille Inseln werden selten

Der Name Elba ist mir, wie sich das gehört, zuerst im Geschichtsunterricht begegnet. In jener schönen Teenagerzeit, die man damals noch Backfischjahre nannte, schwärmte ich unter anderem auch für den großen Napoleon. Seine Flucht von der Insel, die Landung in Fréjus, der Triumphzug nach Paris... Das alles war so großartig, daß mir das kleine Elba viel zu klein und unbedeutend für den gewaltigen Geist meines Idols erschien. So verdrängte ich den Namen der Insel aus der Geschichte und aus meiner Erinnerung.

Erst vor fünf oder sechs Jahren kehrte er in meine Wirklichkeit zurück. Ein Maler erzählte mir, er habe vor dem Krieg einen Sommer auf Elba gelebt und gemalt. Da war es eine Künstlerinsel, fast ohne Fremdenverkehr; so haben sie alle einmal angefangen.

Flucht vor der Musikbox

1956 kam ein junges Kollegenpaar von der Hochzeitsreise zurück. „Wir haben Elba entdeckt, wissen Sie – die Insel in der Nähe von Livorno. Himmlisch, so richtig noch Natur und billig – billig...“ Das war genau das, was ich suchte. Nur nicht ganz leicht, hinzukommen.

1957 traf ich englische Freunde auf der Rückreise vom Urlaub: „Also, stell dir vor, wir waren doch an der Küste in X. Nettes kleines Hotel über dem Meer, an der Hauptstraße. Die Autos fuhren da entlang, es sind achtzehn Kurven vom Lido herauf. Wenn die nicht hupten, hatten wir die Musikbox, was heißt eine – acht, und die ganze Nacht dazu Neonlichter; wir konnten ja bei der Hitze die Läden nicht schließen. Drei Nächte haben wir dort nicht geschlafen, dann sind wir nach Elba. Stille Fischerinsel, dachten wir. Schon die Fähre aber ließ unsere Hoffnung sinken; sie war das Modernste vom Modernen für den Autotransport. Da es spät war, gingen wir ins erste beste Hotel. Doppelzimmer, 40 Mark die Nacht. Sechs Gäste und zwölf Kellner. Am nächsten Tag suchten wir die halbe Insel ab. Prima Straßen, hat wahrscheinlich noch Napoleon gebaut. Dann haben wir was Herrliches gefunden, ein Bungalow hotel mit zentralem Restaurant und eigenem Strand. Wir haben einen billigen Nachsaisonpreis bekommen, 25 Mark pro Person, alles inklusive...“

Da nahm ich mir vor, die „stille Fischerinsel“ zu vergessen.