R. S., Bonn

Am 17. März werden die Länderchefs in Bonn über das zweite Fernsehen beraten. Aber es sieht bisher nicht so aus, als ob sie sich dabei wenigstens über die Grundzüge eines gemeinsamen Vorgehens einigen könnten. Die SPD-Länder möchten ein „Kontrast-Programm“, das von den bestehenden Rundfunkanstalten ausgestrahlt wird. Die CDU-Länder würden das zweite Fernsehen lieber einem von den Rundfunkanstalten unabhängigen Gremium übergeben. In München kokettiert man mit einem Bayerischen Fernsehen, denn in der CSU, die unlängst noch geschlossen für ein zentrales Bundesfernsehen eintrat, sind inzwischen wieder föderalistische Ambitionen erwacht. Der Blick der CSU-Politiker ist nach Frankfurt gerichtet, auf die Gesellschaft „Freies Fernsehen“. Sie möchten sie als Programmlieferantin benutzen und ihr damit helfen. Das wäre freilich ein teurer Spaß, den sich das Land Bayern allein nicht leisten könnte. Aber auch in Nordrhein-Westfalen denkt man an solche Lieferantendienste durch die Frankfurter Gesellschaft. Damit bekäme die Sache schon ein anderes Gesicht.

Die „Freie Fernsehen GmbH“ hat bisher für 120 bis 140 Millionen DM Schulden gemacht. Sie hat diese Gelder indes nicht nur für Verwaltungsgehälter, Künstlergagen, Autoren- und Mitarbeiterhonorare ausgegeben. Sie hat auch Studios gebaut, technisches Gerät gekauft, Film-„Konserven“ angelegt. Müßte sie das alles freilich unter Druck verkaufen, dann bliebe vermutlich eine Schuldenlast von 60 Millionen Mark – wenn nicht mehr. Die hätte der Bund zu übernehmen, weil er ja den Auftrag zur Vorbereitung eines zweiten Fernsehprogramms gegeben hat. Bei einem Arrangement mit mehreren Ländern könnten aber diese Verluste auf ein Minimum herabgedrückt werden.

Der Intendant des Süddeutschen Rundfunks in Stuttgart, Bausch, schlägt vor, die Rundfunkanstalten in zwei Gruppen zusammenzufassen: eine Südgruppe, bestehend aus dem Westdeutschen Rundfunk in Köln, dem Süddeutschen in Stuttgart und dem Bayerischen in München (Saarbrücken könnte angeschlossen werden). Diese Gruppe soll ein eigenes Fernsehprogramm ausstrahlen. Die Nordgruppe, der alle übrigen Länder oder Rundfunkanstalten angehören würden, übernähme dann das andere Fernsehprogramm. Der Sender in Baden-Baden könnte vorläufig nicht mitmachen, weil der Bundespostminister bei der Errichtung der Strahler für das zweite Fernsehprogramm diesen Raum „ausgespart“ hat. Baden-Baden könnte erst im nächsten Frühjahr senden.

Die Rundfunkanstalten, fasziniert von dem Sieg, den Karlsruhe den Ländern zugesprochen hat, möchten gern aus halben Vorbereitungen handgreifliche Tatsachen machen. Hamburg kündigt für den 1. Juni ein zweites Fernsehprogramm an, Frankfurt etwa für die gleiche Zeit, München spricht vom 1. Juli. Fachleute bezweifeln aber, daß diese Termine eingehalten werden können. Wenn überhaupt, könnte nach ihrer Meinung nur ein zweistündiges Programm gesendet werden.

Wird ein Zehntel der Sendezeit für Werbesendungen verwendet, dann wäre einschließlich der Fernsehgebühren das Geld für drei Fernsehprogramme da. Voraussetzung dafür wäre freilich, daß sich die Länder in einem horizontalen Finanzausgleich über eine entsprechende Aufteilung von Gebühren und Werbeeinnahmen einigen. Eine schwere Aufgabe für den Föderalismus, der so oft von partikularistischer Selbstsucht gelähmt wird.

Es liegt auf der Hand, daß das zweite Fernsehen nicht von heute auf morgen aus der Röhre gezaubert werden kann. Der Bundespostminister hat seinerzeit die Rundfunkanstalten vor Aufwendungen für die Vorbereitung eines zweiten Fernsehprogramms gewarnt. Das könnte hinausgeworfenes Geld sein, meinte er. Die Rundfunkanstalten haben daraufhin ihre Vorbereitungen für ein zweites Fernsehprogramm gebremst. Man kann ihnen also heute wirklich nicht vorwerfen, daß sie mit ihren Vorbereitungen nicht schon weiter sind.