Alle diese Anstrengungen und Ergebnisse sind mit Zahlen belegbar. Der Platz, den Frankreich in Europa einnimmt und der seit zehn Jahren eines großen Landes unwürdig war, ist ihm heute wieder angemessen. Wenn in Deutschland 1959 auf 1000 Einwohner rund 10,5 Neubauwohnungen kamen und damit eindeutig die Spitze der europäischen Länder gehalten wurde, dann dürfen wir jetzt beruhigt feststellen, daß Frankreich endlich mit 7,5 Neubauten wieder günstiger dasteht – neben Norwegen und Holland an dritter Stelle. Die allgemein verbreitete Ansicht, daß die Franzosen schlecht wohnen, ist also heute nicht mehr begründet.

Unbegründet ist übrigens auch die Ansicht, daß die Franzosen zuviel trinken. Tatsächlich pflegte man bisher ganz selbstverständlich die Zahl der unzulänglichen Wohnungen mit der Zahl der Bistros zu vergleichen. Aber wie die unzulänglichen Wohnungen allmählich verschwinden, so verschwinden auch die Bistros. Zwischen 1954 und 1960 ist die Zahl der Schankstellen um 20 Prozent gesunken. In diesem Zusammenhang ist es bezeichnend, daß kürzlich zwei große Anis-Marken – Racard und Pernod – sich zusammengetan und in großem Umfang die Herstellung von Fruchtsäften aufgenommen haben. Wenn also so bedeutende Firmen ihre Produktion grundlegend umstellen, dann ist das wohl der beste Beweis für eine Änderung der allgemeinen Geschmacksrichtung.

Ich habe viele Zahlen anführen müssen – auf die Gefahr hin, Sie damit zu ermüden. Jetzt gilt es, ihre tiefere Bedeutung zu erfassen.

Es wäre müßig, genau voraussehen zu wollen, was morgen sein wird. Geben wir nur eines zu: Wir werden vermutlich immer noch zu viel Vergangenes in das Bild der Zukunft einzeichnen. Sicher ist jedenfalls, daß eine Umwälzung stattgefunden hat, die noch andere Umwälzungen nach sich ziehen wird. Sicher ist, daß das Gesicht Frankreichs von 1960 nur sehr wenig dem Gesicht ähnelt, das wir seit 30 oder 40 Jahren von Frankreich kennen. Und sicher ist, daß das Gesicht Frankreichs von 1975 uns selber überraschen wird, obwohl wir wissen, daß es sich ändern wird.

Aber kehren wir zum heutigen Frankreich zurück. Wenn es sich wirklich um photographisch festgehaltene „Erinnerungen an Familienfeste“ handelte, von denen ich eingangs sprach, und deren Momentaufnahmen besonders zuverlässige Beschwörungen vergangener Zeiten sind, dann können wir uns jetzt getrost einige Bilder besehen.

Das heutige Frankreich hat eben dem modernsten Passagierschiff der Welt seinen Namen geliehen: Auf dem Ozean wird die „France“ das heutige Frankreich repräsentieren – wie in der Luft die Caravelle das einzige Mittelstrecken-Düsenflugzeug und wie auf den Schienen die schnellsten elektrischen Lokomotiven der Welt, die CC 7107 und die BB 9004. Aber es gibt auch noch andere Bilder:

den machtvollsten Leuchtturm der Welt in Quessant;