Die Hauptversammlung der Vereinsbank in Hamburg am 4. März wurde überschattet durch die an diesem Tage gerade bekanntgewordene DM-Aufwertung. Dem Vorstandsmitglied Hugo Frohne fiel es als erste Persönlichkeit des deutschen Bankgewerbes zu, eine Stellungnahme dazu vor der Öffentlichkeit abzugeben. Sie konnte nur negativ sein. Einmal hatte sich das Bankgewerbe – bis auf wenige Ausnahmen – von vornherein gegen eine Änderung der Währungsparitäten gestellt, zum anderen kann ein Kreditinstitut, das sich vornehmlich in der Außenhandelsfinanzierung betätigt, mit Rücksicht auf seine Kundschaft schwerlich einer Maßnahme zustimmen, durch die der Export erschwert wird.

Daß in dieser Situation Kritik an der verflossenen Notenbankpolitik geübt wurde, ist verständlich. Tatsächlich hat die Politik des hohen Zinses wohl auch den Zufluß ausländischen Kapitals in die Bundesrepublik unnötig verstärkt, wodurch die Gleichgewichtsstörungen im internationalen Zahlungsverkehr vergrößert wurden. Einen Teil des Devisenzuflusses hätte man nach Ansicht der Vereinsbank vermeiden können, wenn den Banken eine Anrechnung ihrer Auslandsguthaben auf die Mindestreserven gestattet worden wäre. Jetzt sahen sich die deutschen Banken gezwungen, ihre Auslandsguthaben abzuziehen, um sie der Bundesbank als Mindestreserve darzubringen.

Frohne warf der Bundesbank weiter vor, das Liquiditätsproblem nicht in allen Einzelheiten richtig durchdacht zu haben. An Hand der Einlagenentwicklung wies Frohne nach, daß das Gros der Einlagensteigerung im vergangenen Jahr auf das Konto der privaten Sparer gegangen ist. Das Zuviel an liquiden Mitteln kommt nach seiner Meinung also nicht von den Wirtschaftsunternehmen, sondern in erster Linie von den Sparern. Frohne fragte deshalb, ob es nicht logischer gewesen wäre, statt der Sichteinlagen der Wirtschaftsunternehmen die Spareinlagen, die schließlich Träger der überhitzten Baukonjunktur sind, mit hohen Mindestreserven zu belegen.

Unter dem Eindruck der Währungsveränderung stehend, hatten die Aktionäre der Bank, die zu einem großen Teil mit Handel, Schiffahrt und Exportindustrie eng verwachsen sind, offensichtlich wenig Neigung, über die Probleme der Vereinsbank selbst zu sprechen. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz zeigte keine Bereitschaft, ihre kritischen Bemerkungen zur Stock-Dividende, wie sie kürzlich in der Zeitschrift „Das Wertpapier“ gemacht worden sind, zu vertiefen. Dort war darauf aufmerksam gemacht worden, daß Stock-Dividenden für die große Zahl der Publikumsaktionäre als ein steuerlich teurer Weg für eine Kapitalerhöhung betrachtet werden müssen. Ohne Zweifel, das räumte auch die Vereinsbank auf der HV ein, hätte man den für die Stock-Dividende vorgesehenen Betrag auch in Form einer Dividende ausschütten und ihn dann wieder im Wege einer Kapitalerhöhung zurückfordern können. Dann hätte sich die Bank steuerlich entlastet, und jeder Aktionär hätte die Dividende individuell versteuern müssen. Auf Grund der Zusammensetzung ihres Aktionärskreises glaubte die Bank jedoch, daß dem steuerlichen Interesse der Gesamtheit der Aktionäre am besten die Verteilung einer Stock-Dividende entsprechen würde, die für die Aktionäre ja steuerfrei ist.

Der Meinung waren auch die anwesenden Aktionäre, die alle Beschlüsse einstimmig faßten. Danach gibt es für 1960 eine Dividende von 16 vH sowie eine Kapitalerhöhung um 9 auf 25 Mill. DM. Die Kapitalerhöhung geht so vor sich, daß die Aktionäre für 8 Mill. DM ein Bezugsrecht 2:1 zu 100 vH erhalten. Weitere 0,8 Mill. stehen für die Stock-Dividende (5 vH) zur Verfügung. Die restlichen 0,2 Mill. werden frei verkauft. Sie wurden bereits zum Kurs von 730 vH fest gezeichnet. Dies entspricht einem Kurs von 1100 vH für die alten Aktien, wenn man bei ihnen die Dividende, den Wert des Pari-Bezugsrechtes und den Wert der Stock-Dividende abzieht. K. W.