Von Thilo Koch

Präsident Kennedy hat Sargent Shriver zum Leiter des „Friedenskorps“ ernannt. Er ist 46 Jahre alt, mit Kennedys Schwester Eunice Mary verheiratet, Doktor der Rechtswissenschaft und Advokat. Er war Journalist, Geschäftsmann und Präsident einiger Vereinigungen, die sich mit Schulfragen beschäftigten. Sein neues Amt übt er ohne Besoldung aus.

Washington‚ Anfang März

Wenige Querstraßen vom Weißen Haus entfernt, in der Connecticut Avenue, wird in diesen Tagen ein Büro eingerichtet, das die Phantasie und den Tatendrang der Amerikaner vielleicht mehr beschäftigt als alle übrigen Pläne der neuen Regierung: Täglich gehen zum Beispiel zwischen vier- und fünftausend Briefe in diesem Washingtoner Zentralbüro des Peace Corps ein, obwohl noch nicht einmal alle Schreibtische an ihrem Platz stehen, von einer zureichenden Anzahl ständiger Mitarbeiter gar nicht zu reden. Es gibt auch sonst im Lande noch solche Meldebüros, und außerdem nehmen die Wohlfahrtsorganisationen Anmeldungen entgegen.

Präsident Kennedy sagte in seiner letzten Pressekonferenz, fünfhundert bis tausend Personen würden sicherlich am Ende des Jahres 1961 bereits im Friedenskorps arbeiten. Aber schon heute sieht es so aus, als könnten unverzüglich Zehntausende von Freiwilligen mit ihrer Ausbildung beginnen. Kaum hat der Präsident dem Kongreß die Gründung eines ständigen Friedenskorps in aller Form vorgeschlagen, da übertrifft bereits die öffentliche Diskussion des Planes beinahe jedes andere Thema.

Zuerst bestand keine Klarheit darüber, ob der freiwillige Dienst im Friedenskorps von der Wehrpflicht befreien würde. Diese Frage ist jetzt entschieden: Wer im Friedenskorps dient, wird vom Waffendienst zurückgestellt, wenn auch nicht befreit. Der Leiter der Organisation, Sargent Shriver, ein Schwager John Kennedys, erklärte soeben in Washington, man werde die Bewerbungen sehr sorgfältig prüfen. Man habe mehr als genug Auswahl; jeder, der sich von der Arbeit im Friedenskorps einen „Druckposten“ verspreche, werde zurückgewiesen. „Der Dienst bei uns wird kein Picknick sein“ sagte Shriver.

Nichtsdestoweniger darf Kennedy auf einen großen Erfolg rechnen. Übrigens gibt es, wenn Kennedy selbst als Vater der Idee bezeichnet werden kann, Großväter für den Vorschlag: die Kongreßmitglieder Humphrey und Reuss. Außerdem melden sich die Engländer mit dem Angebot, praktische Erfahrungen beizusteuern, denn in einem kleineren Maßstab haben sie den freiwilligen Dienst in den Entwicklungsländern schon erprobt. Auch die Engländer zahlen den Beteiligten nur ein geringes Taschengeld – ein Pfund Sterling im Monat – und fordern, daß die Freiwilligen genauso leben wie die Menschen in dem jeweiligen Land, dem sie dienen.