Der Aufruf ist ein Appell an den Idealismus gerade in der jungen Generation. In Deutschland haben wir in böser Zeit erlebt, wie leicht sich die Begeisterungsfähigkeit und Opferbereitschaft für große Gemeinschaftsideen mobilisieren lassen. Warum sollte sich das nicht auch einmal für eine gute Sache, eine Tat des Friedens und der Hilfe unter den Völkern erreichen lassen? Die Amerikaner haben sehr oft Enttäuschungen erlebt mit ihrer Hilfe für andere, wobei der Fehler meistens an ihren eigenen Methoden lag. Das versuchen sie nun mit dem schönen Ernst, der sie in diesen Dingen auszeichnet, zu verstehen.

Die Amerikaner gaben Geld und Waffen, Kredite und technische Ausrüstungen, als sie endlich einsehen mußten, daß Amerika an dem Wettlauf um die Gunst der Länder zwischen den Blöcken wohl oder übel teilzunehmen hatte. Sie wunderten sich, daß trotzdem das Prestige der Vereinigten Staaten in der Welt eher sank. Das hatte oftmals politische und organisatorische Ursachen: Die Hilfe wanderte manchmal in falsche Taschen. Wie oft hat Amerika in vielen Teilen des Nahen und des Fernen Orients, Afrikas, Südamerikas geholfen, die Ausbeuter zu stützen gegen die demokratischen Unterströmungen in den Völkern. Und dafür sollten die Völker Amerika lieben?

Der Gedanke eines Friedenskorps gründet sich auch auf den Wunsch nach besserem Verständnis: Junge Amerikaner sollen hinausgehen und lehren – in der Landwirtschaft, in den Schulen, in der Industrie. Sie sollen aber auch lernen. Kennedy fordert von ihnen, daß sie die Landessprache sprechen, leben sollen wie ihre Kollegen und Mitmenschen in dem jeweiligen Lande selbst. Sie sollen – sagt Eleanor Roosevelt, die sich sehr für das Peace Corps engagiert – auch über den religiösen Hintergrund ihres Gastlandes unterrichtet sein.

Wer seine zwei oder drei Jahre auf diese Weise draußen in der Welt zugebracht hat, weiß nicht nur, wie Entwicklungshilfe "ankommt"; er ist auch kuriert von jedem Isolationismus.

So wichtig das Geld ist, von dem gerade so eifrig zwischen Amerikanern und Deutschen geredet wird – es muß richtig angewandt werden. Dazu braucht man Menschen, die an Ort und Stelle tatsächlich "entwickeln" und nach Hause melden können, wo es fehlt und wie die Fehler vom Grünen Tisch sich praktisch auswirken. Was einmal der sonderbare Doktor Schweitzer als Individualist tat, das unternimmt nun ein Volk kollektiv und geplant. Kann so etwas gelingen? Es sollte gelingen! Denn nicht nur das Wohlergehen einiger brauner, schwarzer, gelber Völker hängt davon ab, sondern auch unsere eigene Zukunft.

Man hört hier, in Amerika, mit allergrößtem Interesse, daß auch die Bundesrepublik Deutschland erwägt, junge Menschen aufzurufen und auszubilden für einen freiwilligen, opfervollen Dienst in Teilen der Welt, wo der Weiße Mann bisher fast nur als "Imperialist" bekannt ist.