Gibt es eigentlich Probleme, die unlösbar sind? Oder kann man sich vorstellen, daß auch das vertrackteste Problem irgendwann einmal bewältigt werden wird, vielleicht sogar sich von selber löst?

Willy Brandt hat vor ein paar Tagen in einem Interview mit der Londoner Times gesagt: „Wenn es gelingen sollte, gewisse Probleme der Rüstungskontrolle oder Rüstungsbeschränkung zu lösen, dann wird es vielleicht auch möglich werden, gewisse politische Fragen aufzugreifen, die bisher fern jeder Lösung zu sein schienen.“

Sicherlich stehen wir heute an einer Zäsur: Moskau betrachtet voller Spannung und wohl mit manchen Erwartungen die neuen Männer in Washington. Und diese wiederum betrachten mit neuen Augen die alten Probleme. Dabei wird sich vielleicht herausstellen, daß die Akzente sich mancherwärts verschoben haben, oder daß andernorts sich neue Möglichkeiten abzeichnen. Sicher ist, daß Kennedy und seine Umgebung aus dem Schützengraben-Denken herausstreben. Sie graben sich gewiß nicht ein. Ihr Denken ist politisch und darum offensiv. Wenn man in diesem Zusammenhang einen so militärischen Ausdruck gebrauchen darf.

Jenes Wort des Berliner Regierenden Bürgermeisters fiel, als von der Wiedervereinigung die Rede war, aber vielleicht könnte man es eines Tages auch auf Berlin anwenden.

Jedesmal, wenn man diese Stadt wiedersieht, verschlägt es einem von neuem den Atem: Welche Dimensionen! Was für ein Zuschnitt! „Ja, das ist wirklich eine Weltstadt“, wiederholte George Kennan mehrmals, als wir im vorigen Jahr, während der Kongreß für die Freiheit der Kultur tagte, durch Berlin wanderten.

Eine Weltstadt, die brachliegt, weil sie sozusagen ihrem nationalen Zweck entzogen ist. Aber muß sie denn darum brachliegen? Könnte sie nicht ebenso wichtigen, nämlich übernationalen Zwecken dienen? Könnte man Berlin nicht zur ersten wirklich internationalen Stadt der Welt machen – und auf diese Weise den UN einen angemessenen Sitz bieten?

Die Amerikaner werden vielleicht sagen: „Die UN, denen wir gerade ein neues, überaus großzügiges Haus mit allen modernen technischen Einrichtungen gebaut haben, befindet sich in New York am geeigneten Platz. Es gibt keinen Grund, sie zu verlegen.“ Aber viele Vertreter der neuen Staaten denken nicht so. Die Delegationen der 16 afrikanischen Staaten, die im vorigen Jahr ihre Unabhängigkeit erhielten, haben trotz des Beistandes der US-Regierung die allergrößten Mühen, Häuser oder Wohnungen zu finden. Schwarze wohnen in New York eben in bestimmten Gegenden und haben, jedenfalls bisher, nicht dort gelebt, wo die weißen Botschafter sich ansiedelten. Hotels sind kein Ausweg, denn auch da gibt es Schwierigkeiten, genau wie bei vielen Restaurants und manchen Schulen, wo man die Neuankömmlinge nicht gerade begeistert willkommenheißt.