Die Verkehrserziehung, die den Fernsehzuschauer mit den „Fehlern der anderen“ auf deutschen Straßen vertraut machen sollte, war wegen einer Panne ausgefallen. Ein Griff ins Füller-Repertoire brachte dafür einen Film auf die Bildschirme, dessen Thema uns ebenso angehen sollte: das Leben und die Heimerziehung elternloser, „verlorener“ Kinder, die in den mitleidslosen Abgründen der Großstadt an der Einsamkeit zu zerbrechen drohen.

Der Film war ein gutes Beispiel dafür, daß Verlegenheitssendungen nicht immer auch den Zuschauer mangels Qualität verlegen machen müßten. Das Thema aus dem Bandarchiv war hochaktuell, die Kameraführung ausgezeichnet, und der kindliche Hauptdarsteller Donald – „Einer von den Stillen“, wie der Titel sagte – stellte sein eigenes Schicksal erschütternd echt dar.

Doch was hilft’s, wenn plötzlich der Kommentator eines solchen aus den USA importierten Streifens „einer von den Stillen“ wird? Das fremdartige Leben in einem unbekannten Milieu hätte allein schon einer Erläuterung bedurft, mehr noch aber die Vorgänge in der verwirrten kindlichen Seele und die Behandlungsmethoden der Heimerzieher, deren Handwerkszeug die Tiefenpsychologie ist. Die Kenntnis dieser Materie kann vielleicht bei Amerikanern stillschweigend vorausgesetzt werden, denen nachgesagt wird, sie gingen so häufig zum Psychologen wie unsereiner zum praktischen Arzt. Hochgestochene, allgemeine Redewendungen allein schaffen bei uns noch kein Verständnis. Die Übernahme amerikanischer Filme ins Deutsche Fernsehen sollte mehr sein als nur ein kommerzieller Vorgang. o. f.