Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, daß die Aufwertung der Mark, gegen die man sich in Frankfurt lange gesträubt hatte, die Bundesbank heute in die Lage versetzt, ihre Zinspolitik zu aktivieren. Die Notenbank hat jetzt jedenfalls einen größeren Spielraum für ihre Politik des leichten Geldes gewonnen. Bisher standen einer stärkeren Aktivität vor allem jene konjunkturpolitischen Bedenken entgegen, die Bonn hinsichtlich einer weiteren Auflockerung der Kreditrestriktionen (Mindestreservensätze), einer konsequenten Zinssenkung hegte. Diese Rücksichtnahme erübrigt sich nunmehr.

Vor diesem Hintergrund kann es nicht überraschen, daß die Bundesbank am Mittwoch, dem 8. März, abermals die Mindestreservensätze für Inlandverbindlichkeiten um 5 vH ermäßigte, nachdem der Zentralbankrat erst wenige Tage zuvor einen ähnlichen Beschluß gefaßt hatte. Die Senkung der Mindestreservensätze und die gleichzeitige Herabsetzung der Abgabesätze für Geldmarktpapiere um 1/8 vH erfolgten gewissermaßen „außerplanmäßig“. Beide Maßnahmen kamen der nächsten Sitzung des Zentralbankrates (16. März) um gut eine Woche zuvor.

Daß die Bundesbank ihre Zinssenkungspolitik mit solcher Eile betreibt, ist nach der Aufwertung durchaus verständlich. Die Aufwertung hat ihr das Gesetz des Handelns aufgezwungen. Nicht umsonst hatte schließlich Notenbankpräsident Blessing erklärt, daß es falsch wäre, die „Wechselkursanpassung“ als ein Allheilmittel zu betrachten. So gesehen ist das, was am Mittwoch in Frankfurt beschlossen wurde, nichts anderes, als eine notwendige Ergänzung der Aufwertung: eine weitere Stärkung der inneren Liquidität, ein weiterer Abbau des Zinsgefälles zum Ausland. Das allseits erwünschte Zurückdrängen ausländischen Geldes setzt nun einmal voraus, daß zunächst in der Bundesrepublik die Geldversorgung reichlicher und billiger wird. Und niemand vermag zu bestreiten, daß dieses Ziel in den letzten Tagen noch an Aktualität gewonnen hat, da das Ausland den erwarteten Rückzug aus der Deutschen Mark noch nicht angetreten hat. Offensichtlich ist das Ausland zumindest so lange nicht gewillt, den Aufwertungsgewinn zu realisieren und seine Anlagen in der Bundesrepublik abzubauen, als die Deutsche Mark und mit ihr eine Reihe anderer Währungen im Gespräch bleiben. Dies erklärt denn auch, daß die D-Mark nach der Aufwertung unverändert gesucht blieb, während der Dollar und das Pfund – der Dollar fiel dabei sogar auf den neu festgesetzten untersten Interventionspunkt von 3.97 D-Mark zurück – stark angeboten waren.

Gegen derartige (Aufwertungs) – Spekulationen läßt sich mit dem Instrumentarium einer Notenbank freilich schwer angehen. Was die Notenbank indessen kann, das hat sie inzwischen wenigstens eingeleitet: Die kurz aufeinanderfolgende Senkung der Mindestreservensätze hat im Bankenapparat allein im März eine Milliarde DM freigesetzt. Und die Ermäßigung der Abgabesätze für Geldmarktpapiere, die fünfte seit Jahresanfang, ist ein sicherer Vorbote für eine Herabsetzung des Diskontsatzes von 3,5 auf 3 vH. Die Meinungen gehen hier nur noch hinsichtlich des Zeitpunktes auseinander. Die nächste Sitzung des Zentralbankrates am 16. März wird zeigen, wie ernst es der Bundesbank mit der Aktivierung ihrer Zinspolitik ist. lz