Nichts“, so schrieb der Quedlinburger PädagogeJohann Christoph Friedrich Gutsmuths Anno 1796, „nichts geht über das Vergnügen des Schlittschuhlaufens an einem schönen heitern Wintertage im zahlreichen Kreise junger Leute; wie bedauernswert sind Knaben und Jünglinge, welche die Karten und Würfel vorziehen.“ Und er setzt hinzu: „Mit dem Eislauf lassen sich mancherlei Spiele verbinden.“ Fürwahr – nur haben wir’s heutzutage vergessen, oder wir finden solche Späße lächerlich, albern, entwürdigend; wir schämen uns, auf dem Eise – wie anderswo – lustig zu sein und uns vielleicht ein bißchen verrückt zu geben. Zu den Spielen, die Gutsmuths weiland „zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes, für die Jugend, ihre Erzieher und alle Freunde unschuldiger Jugendfreuden“ vorschlug, gehören nicht nur Schlittschuhlauf, Eishockey, Eisschießen oder Curling, sondern auch Fangspiele, Jagdspiele, Kreiselspiele, Eiskarussell. Schließlich haben sich die Wintersportgäste in den Kurorten damals noch allerlei andere Vergnügen auf der glitzernden Fläche ausgedacht: Wettläufe, Gymkhanas – wobei man schlittschuhlaufend Hindernisse umfahren oder überspringen mußte –, Scherzspiele, bei denen man mit einem Ei oder einer Kartoffel im Mund, auf einem Löffel oder auf der flachen Hand übers Eis jagen mußte. Und zu den ausgemachten Späßen der ehrbaren Kurgäste von Grindelwald im Kanton Bern gehörte das Eierwettblasen (unser Bild). Barttracht und Monokel täuschen: Die Herren von 1908 sind jünger, als ihr Habitus vermuten läßt. Man darf sicher sein, daß sie sich, ihrer Puste entäußernd, glänzend erholen. – Melancholischer Nachtrag: Viele Kurorte rühmen sich natürlicher und – immer mehr – künstlicher Eisbahnen, die sich zu jedweder Jahreszeit anbieten. Es fehlt nicht an Komfort und nicht an Perfektion – es fehlt wohl an Einfallsreichtum, und mutig muß man sein, sehr mutig... M.

Aufn.: Schweizerisches Turn- und Sportmuseum Basel