Die Bayerische Vereinsbank‚ München, hat kühnen Mutes die Schallmauer durchbrochen. Sie bietet ihren Aktionären neben einer Dividende von wieder 16 vH für 1960 außerdem 4 vH Bonus an, der allerdings den ausdrücklichen Zusatz trägt „nicht tantiemeberechtigt“. Das Institut will diesen Bonus als einmalig betrachtet wissen, weil er aus Sondererträgen des Wertpapiergeschäfts stammt.

Aber auch die anderen Sparten dieser gemischten Regionalbank, die über die stattliche Zahl von 103 Niederlassungen in Bayern verfügt, arbeiteten recht befriedigend. Die Aktionäre erhalten auf das erstmals voll dividendenberechtigte Grundkapital von 70 Mill. DM insgesamt 14 Millionen DM, das sind 59 vH mehr als im Vorjahr. Bei einem etwas verlangsamten Zuwachs um 12 (i. V. 20) vH hat die Bilanzsumme drei Milliarden überschritten. Nach Dotierung der Rücklage mit 5 (4,9) Mill. DM hat sich die Relation zwischen dem auf 155 Mill. DM verstärkten Eigenkapital und der Bilanzsumme auf 5,1 (5,5) vH verringert. Pensionsrückstellungen erhöhten sich um 2,3 (1,8) auf 27,6 Mill. DM.

Selbstverständlich ist auch auf eine angemessene weitere Verstärkung der stillen Reserven nicht vergessen worden; dabei zog man in erster Linie die bei Päketverkäufen erzielten Buchgewinne heran. Vor Journalisten wurde auf die wichtige Dezentralisierungs-Funktion des Schachtelprivilegs in den Händen der bayerischen Banken hingewiesen. Ohne es hätte sich der Konzentrationsprozeß durch Anschluß an außerbayerische(!) Gruppen wesentlich stärker entwickelt. Die verkauften Pakete habe man in Hände gelegt, die eine Beibehaltung der bisherigen Geschäftsstruktur sicherten.

Zum Thema DM-Aufwertung sind die Meinungen in einer gemischten Bank verständlicherweise ebenfalls gemischt. Während der Sprecher der Bankabteilung, Freiherr von Tucher, sie für verfehlt hält, weil ein erheblicher Teil der Devisenüberschüsse nicht von der Handelsbilanz, sondern aus dem Kapitalverkehr stamme, bezeichnete sie Dr. Steffan von der Hypothekenabteilung als „zweitschlechtestes Mittel“ zur Inflationsbekämpfung. Im Geschäftsbericht heißt es dazu, daß die undoktrinäre und möglichst wendige Politik der Notenbank auch nach der beschlossenen DM-Aufwertung eine Gratwanderung bleiben werde.

Vor weiteren Experimenten mit kurzfristigen Schuldverschreibungs-Emissionen glaubt das Institut vorerst warnen zu müssen. Die Erfahrungen sprächen gegen eine Aufgabe oder auch nur Lockerung des ausgewogenen Finanzierungssystems des langfristigen Pfandbriefs und der langfristigen, festverzinslichen Tilgungshypothek.

Wenn sich trotz der verstärkten Konjunktur die Volumenausweitung der Banken gegenüber dem Vorjahr verlangsamt hat, so ist das nach Ansicht des Instituts auf die Auswirkungen der Bundesbankrestriktionen zurückzuführen. Dazu wird auf die Inanspruchnahme von Direktkrediten durch industrielle Unternehmungen hingewiesen. Die Liquidität der Banken sei durch die Eingriffe der Bundesbank stark beeinflußt worden, zumal da die Einlagenentwicklung mit der starken Kreditnachfrage nicht Schritt gehalten habe. Die Banken hätten daher auf andere liquide Mittel zurückgegriffen und sich Zurückhaltung bei der Erweiterung ihres Wertpapierbestandes auferlegt.

Diese Entwicklung spiegelt sich zum Teil auch in den Zahlen der Bayerischen Vereinsbank. Während Einlagen um knapp 17 vH auf 1452 Mill. DM zugenommen haben, vermehrten sich die Debitoren um 27 vH um 620 Mill. DM. Die um mehr als ein Fünftel erhöhten Barreserven zeigen die Folgen der Mindestreservenpolitik. Die Liquidität ersten Grades erscheint mit 38,5 (40) vH wenig verändert. Langfristige Ausleihungen der Bankabteilung erhöhten sich infolge der Nachfrage nach Rationalisierungskrediten um 22 auf 173 Mill. DM und aufgenommene lang fristige Darlehen um 30 auf 114 Mill. DM. Dagegen übte man im Wechselkreditgeschäft Zurückhaltung. Die Zunahme des Wertpapierbestandes um 12 vH auf 213 Mill. DM betrifft hauptsächlich Dividendenwerte. Bei den um 5,4 auf 39,2 Mill. DM erhöhten Beteiligungen, die im wesentlichen sieben Kreditinstitute umfassen, wirkten sich Kapitalerhöhungen und der Erwerb von Anteilen an ausländischen Kapitalanlagegesellschaften aus.

Die mit etwa der Hälfte am Gesamtvolumen beteiligte Hypothekenabteilung verzeichnete – gemessen an der allgemeinen Entwicklung des Rentenmarktes – befriedigende Erfolge. Mit 109 (112) Mill. DM war der Erstabsatz an Pfandbriefen fast unverändert. Dagegen erreichte er bei Kommunalobligationen mit 38 Mill. DM nicht einmal die Hälfte des Vorjahresabsatzes von 82 Mill. DM. Neu ausgeliehen wurden 102 (167) Mill. DM Hypotheken- und 35 (86) Mill. DM Kommunaldarlehen. Das Institut schätzt den Erstabsatz von Pfandbriefen an private Sparer wiederum auf etwa 44 vH. Weniger als im Vorjahr kauften die Kreditinstitute, während der Verkauf an öffentliche und private Kapitalsammelstellen absolut gehalten und relativ sogar gesteigert worden ist. Herrschender Typ während des Berichtsjahres war die 6prozentige Schuldverschreibung. B. N.