Das kann jeder Affe

Von Wolfgang Ebert

Doll, einfach doll", murmelte meine Frau mit einem Anflug wilder Begeisterung und sah von ihrer Zeitung auf. Ihr Blick schien mich kritisch zu mustern.

"Was denn?" sagte ich, um ein gewisses Interesse an den Tag zu legen.

"Diese drei Weltraumflieger. Ich sehe mir gerade ihre Gesichter an."

"Und warum siehst du mich dabei an?" fragte ich, wobei mich ein eher unbehagliches Gefühl beschlich.

"Ach, nur so, zum Vergleich. So also sehen richtige Männer aus! Dieser Shepard zum Beispiel. Ein Kerl wie aus Stahl. Aber in seinen Augen schimmert auch eine warme Zärtlichkeit. Willst du ihn dir mal anschauen?"

"Vielleicht später", winkte ich ab.

Das kann jeder Affe

"Oder dieser Glenn! Was für eine maskuline Vitalität!" begeisterte sie sich weiter, "und der dritte schließlich, dieser Grissom – ein richtiger Eroberertyp. So ein bißchen Weltraum macht dem gar nichts aus."

"Nun übertreib mal nicht gleich. Sich in den Weltraum schießen lassen, das kann doch jeder Affe", sagte ich, um die Begeisterung meiner Frau etwas zu dämpfen.

"Jetzt wirst du unfair", rügte sie mich, "der Schimpanse Ham hat das unfreiwillig getan. Diese Männer aber haben sich dazu freiwillig gemeldet. Begreifst du den Unterschied? Ich frage mich manchmal, wozu du freiwillig bereit wärest..."

"Daß du vom Weltraum irgendwie auf mich kommen würdest, habe ich geahnt. Immerhin habe ich dich ziemlich freiwillig geheiratet. Wenn man bedenkt, daß die jetzigen Weltraumflüge nur eine halbe Stunde oder so dauern ..."

"Eine halbe Stunde im Dienste der Menschheit", schnitt mir meine Frau das Wort ab, ohne auf meinen Vergleich weiter einzugehen, "selbst das wäre dir schon zuviel."

"Wenn es um die ganze Menschheit geht, verliere ich eben leicht die Übersicht, und dann macht es mir keinen rechten Spaß mehr", verteidigte ich mich. "Außerdem", fügte ich hinzu und glaubte, endlich einen guten Grund gefunden zu haben, "muß ich auch an meine Familie denken."

"So... auf einmal!" stellte meine Frau dazu fest, "im übrigen ist jeder dieser Männer verheiratet und hat zwei Kinder."

Das kann jeder Affe

"Wenn man als Weltraumflieger zwei Kinder haben muß, scheide ich sowieso aus. Und vor allem nehmen sie ja ohnehin nur Amerikaner dazu."

"Da bist du ja wieder fein raus, nicht wahr?" sagte meine Frau in einem Tonfall, als sei es meine persönliche Schuld, daß ich nicht als Amerikaner auf die Welt gekommen bin.

"Und selbst wenn ich Amerikaner wäre, käme ich noch lange nicht in Frage. Das sind nämlich Männer, die körperlich ganz ungewöhnliche Voraussetzungen mitbringen. Außerdem sind es technisch geschulte Testpiloten mit großer Höhenerfahrung."

Meine Frau blieb ungerührt. "Auf das alles kommt es ja gar nicht an."

"Sondern?"

"Sondern darauf, ob du überhaupt dazu bereit wärest, dich in den Weltraum schießen zu lassen."

"Moment mal! Wärest du denn bereit, mich in den Weltraum schießen zu lassen?"

Das kann jeder Affe

"Natürlich. An Mut und Opferbereitschaft lasse ich mich von keiner Amerikanerin in den Schatten stellen. Und die Frauen der Weltraumflieger erklärten einstimmig, sie seien stolz und glücklich, daß ihre Männer zu den ersten gehören werden. Das finde ich sehr imponierend. Übrigens kann es ja durchaus sein, daß so einer zurückkommt. Der Schimpanse ist ja auch zurückgekommen."

Ich hielt es für an der Zeit, mich zu einer letzten Verteidigung aufzuraffen.

"Jetzt will ich dir mal was sagen. Zu solchen Sachen muß man eben einfach geboren sein. Und das bin ich nun einmal nicht, tut mir sehr leid."

"Ist ja schon gut", sagte meine Frau, wobei sie mich mit einem eher resignierten Blick streifte, um sich dann wieder in die Photos der Herren Shepard, Glenn und Grissom zu vertiefen.