In Deutschland fällt die Durchsetzung der Stäbe in der Wirtschaft mit dem Ringen um eine Verwirklichung des Mitarbeiterverhältnisses im Betrieb zusammen. Die Führung im Mitarbeiterverhältnis verlangt Formen, die es ermöglichen, die Initiative und das Mitdenken des einzelnen auf allen Ebenen der Hierarchie dem Unternehmen nutzbar zu machen. Im betrieblichen Alltag ist die Delegation der Verantwortung das wichtigste Mittel, um die Führung im Mitarbeiterverhältnis wirksam werden zu lassen. Der Vorgesetzte muß seinen ehemaligen Untergebenen als Mitarbeiter anerkennen, indem er ihm einen Aufgabenbereich überträgt, innerhalb dessen dieser frei handeln und entscheiden kann, während der Vorgesetzte sich auf Dienstaufsicht und Erfolgskontrolle beschränkt.

Trotz bester Absichten scheitern oft Ansätze in dieser Richtung, weil die Chefs keine Zeit haben, Dienstaufsicht und Kontrolle sachgerecht auszuüben. Mit der Devise: „Alles läuft über meinen Schreibtisch!“ kehrt man dann enttäuscht wieder zum alten absolutistischen Führungs- und Organisationsprinzip zurück. So pendelt die Organisation prinzipienlos zwischen mangelnder Kontrolle selbständiger Teilbereiche und einer unnötigen Zentralisierung der Anweisungsbefugnis hin und her.

Hier liegt eine der entscheidenden Aufgaben des Führungsstabes, der als Führungsspezialist neben den Stab der Fachspezialisten tritt; er leistet vielseitige und verantwortungsvolle Arbeit, wenn er • dem Chef die Kleinarbeit in der Vorbereitung von Führungsentscheidungen abnimmt;

  • darüber wacht, daß die Delegationsbereiche wirklich eingehalten werden und weder Rückdelegation noch Überschreitung der Zuständigkeiten stattfindet;
  • die Mitarbeiterbesprechungen exakt vorbereitet und sorgsam ausgewertet werden, so daß sie zu einem wirksamen Führungsinstrument werden;
  • die Mitarbeiter laufend alle für ihre Arbeit notwendigen Informationen erhalten und die Informationsübermittlung zu einer Quelle zielbewußter Arbeit im Betrieb wird;
  • der Chef weder von seinen Mitarbeitern noch von außen mit nutzlosen Besprechungen aufgehalten wird und für seine eigentlichen Führungsaufgaben Zeit hat;
  • Dienstaufsicht und Erfolgskontrolle auch über die für das Unternehmen festgelegten Führungsprinzipien stattfindet und damit das Ziel erreicht wird, daß ein Strom von Initiative und Mitarbeit von unten nach oben gehen kann.

Die Widerstände gegen den Führungsstab sind mindestens ebenso groß wie gegen den Stab der Spezialisten. Zu den Widerständen, die aus dem Unternehmen selbst kommen, treten Widerstände von außen, die das Aufkommen einer den Chef abschirmenden Zwischeninstanz befürchten und in ihr eine „graue Eminenz“ wittern. Besondere Qualitäten sind notwendig, um bei Linie und Fachstäben Vertrauen zu erwerben und als eine Art Clearingstelle für die divergierenden Ansichten und Richtungen in allen Führungsfragen koordinierend im Sinne der Unternehmenspolitik zu wirken.

Der dazu geeignete Typ ist nicht unter den Männern zu finden, die man normalerweise in solche Stellungen bringt, den jungen „Direktionsassistenten“, die den Vorstandsmitgliedern beigeordnet werden. Die Position des Führungsstabes bedarf einer Rangstellung und Einstufung, die sie für diejenigen Bewerber anziehenswert macht, die bereits als Geschäftsführer, Werksdirektoren oder Betriebschefs Führungsprobleme praktisch kennengelernt haben und sie zu meistern wissen.