über die Arbeit mit Führungsstäben und den Einsatz von Spezialistenin der Wirtschaft

Von Reinhard Höhn

Als General Eisenhower nach dem 2. Weltkrieg gefragt wurde, was die amerikanische Wirtschaft aus den Erfahrungen der Armee für die Friedenszeit hinsichtlich Führung und Organisation gelernt habe, antwortete er mit dem klassischen Ausspruch „More staff-work“, – mehr Stabsarbeit. Die Arbeit mit Stäben von Spezialisten, die beratend die Führung der Unternehmen, die immer größer werden und auf immer größeren Märkten sich durchsetzen müssen, mittragen, ist zu einem wesentlichen Bestandteil der Konzeption des modernen Management geworden – nicht nur drüben in Amerika, sondern auch in Europa. Der vorliegende Aufsatz von Professor Dr. Reinhard Höhn, dem Leiter der „Akademie für Führungskräfte in der Wirtschaft“ in Bad Harzburg, gibt ein Bild von der Tätigkeit der Stäbe und den damit zusammenhängenden Problemen. Die Ausführungen sind einem in Kürze erscheinenden Buch von Prof. Höhn („Die Führung mit Stäben in der Wirtschaft“, Verlag für Wissenschaft, Wirtschaft und Technik, Frankfurt/M.) entnommen.

Mit dem Begriff „Stab“ verbindet man unwillkürlich Vorstellungen aus der Welt des Militärs. Man denkt dabei insbesondere an den Generalstab und seine Arbeitsmethode. Sagt man von einer Maßnahme, hier sei eine wirklich generalstabsmäßige Arbeit geleistet worden, so ist damit eine ausgesprochene Anerkennung verbunden: Generalstabsmäßige Arbeit bedeutet Präzision in Planung und Organisation sowie uhrwerksmäßigen Ablauf in der Durchführung. Andererseits stößt die Forderung nach Einführung einer Stabsorganisation in der Wirtschaft wegen ihrer militärischen Herkunft sehr oft auch auf Ablehnung. Man befürchtet, daß mit den Stäben zugleich die militärische Vorstellungswelt auf die Wirtschaft übertragen werden soll.

In der militärischen Organisation fand der Stab erstmals seine prägnante Form. Die modernen Massenheere, die im Gefolge der französischen Revolution aufkamen, konnten nicht mehr in der Form geführt werden, daß der Feldherr – wie noch zu Zeiten Friedrichs des Großen – vom Feldherrnhügel aus mit Hilfe von Adjutanten die einzelnen Regimenter einsetzte und notfalls selbst als der schlachtentscheidende Held eingriff. In der Notsituation Preußens gegenüber Napoleon wurde die Idee der Führung mit Stäben geboren. Sie ist auf das engste mit dem Namen Scharnhorsts, des Reformators der preußischen Armee, verbunden. Spezialisten einer neuen Führungsmethode sollten im Großen Generalstab neben den König treten, andere wurden den Generalen beigeordnet.

Das Entscheidende und zugleich das Charakteristische an diesen Stäben war, daß neben die Linienorganisation mit ihrer Hierarchie, in der alles auf Befehl und Gehorsam beruhte, neue Männer traten, die nichts zu befehlen hatten. Ihre Tätigkeit beruhte allein auf der Beratung. Sie waren verpflichtet, dem Kommandierenden General gegenüber auf Grund ihrer wissenschaftlichmilitärischen Ausbildung ihre Ansicht zu vertreten, selbst wenn diese in krassem Gegensatz zu dessen eigener Meinung stand. Diese Generalstabsoffiziere verkörperten in sich eine neue Form der Autorität, die die preußische Armee bisher nicht kannte: die Beratungs- und damit Gesprächsautorität, die neben die Befehlsautorität trat. Das bisher lediglich auf Befehl und Gehorsam abgestellte militärische Führungsprinzip wurde damit in der Spitze entscheidend modifiziert.

Der preußische Generalstab