Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Rüstungsbeschränkungen (Schluß)

Von Theo Sommer

In der hektischen Fortentwicklung der modernen Waffen kann das Heil der Völker heutzutage nicht mehr liegen – diese Erkenntnis setzt sich in den Vereinigten Staaten mehr und mehr durch. Ihr gesellt sich freilich auch die Erkenntnis hinzu, daß eine unkontrollierte Abrüstung die Sicherheit der Nationen und den Frieden der zwiegespaltenen Welt ebensowenig zu garantieren vermag wie der bisherige Kreiseltanz in der Rüstungsspriale.

Diese beiden Überlegungen liegen dem Rüstungskontrollplan des amerikanischen Professors Jerome B. Wiesner, zugrunde, der in der letzten Ausgabe der ZEIT beschrieben worden ist. Durch eine vereinbarte gegenseitige Rüstungskontrolle will der Professor vom Massachusetts Institute of Technology das Risiko des fortgesetzten Waffenwettlaufs ausschalten, ohne die Risiken leichtfertiger Abrüstung heraufzubeschwören.

Wer ist Wiesner?

Wiesners Plan ist nicht das Hirngespinst eines weltfremden Gelehrten im Elfenbeinturm. Der 45jährige Elektronentechniker aus Cambridge zählt seit langem zu den Wissenschaftlern, die im Weißen Haus ein- und ausgehen, die Zugang zu den geheimsten Dokumenten des Pentagons haben und in die Gedankengänge der Planer im US-Außenministerium eingeweiht sind. Er war an der Entwicklung der ersten Atombombe beteiligt, entwarf die Radarwarnsysteme im hohen Norden des amerikanischen Kontinents und gehörte 1957 jenem Gaither-Ausschuß zur Untersuchung der US-Verteidigungsposition an, dessen Bericht zu solch vernichtenden Ergebnissen kam, daß er bis heute ein streng gehütetes Geheimnis geblieben ist. Nach dem Start des ersten Sputnik wurde er in den eiligst gebildeten Wissenschaftlichen Beirat Eisenhowers berufen, im Jahr darauf diente er der US-Delegation bei den Genfer Verhandlungen über die Verhinderung von Überraschungsangriffen als Stabschef. Man kann ihm kein X für ein U vormachen.

Im übrigen steht Wiesner mit seinen Ansichten im Kreise der Kennedy-Berater nicht allein. Walt Rostow und manch andere einflußreiche Männer denken wie er. Gewiß, die Pläne der neuen Regierung sind noch nicht formuliert, Wiesner mag sich Abstriche gefallen lassen müssen, Änderungen und Verdeutlichungen. Doch sind seine Gedanken nicht die eines Außenseiters; sie bestimmen das Beratungsklima im Weißen Haus.