Von Fritz Ernst

Vor 15 Jahren war viel die Rede von einer Neuwertung der Deutschen Geschichte. Das gebildete Bürgertum vor allem, und das heißt in Deutschland das geschichtlich gebildete Bürgertum, fand sich nicht mehr zurecht. Es hatte erleben müssen, daß die ihm so lieben und so vertrauen nationalen Parolen mißbraucht worden waren, und es mußte sich in vielen seiner Gruppen sagen, daß es diesen Mißbrauch unterstützt hatte.

Zu Dutzenden sind damals kleinere und größere Schriften erschienen, die eine neue Deutung unserer Geschichte versuchten, viele von ihren heute vergessen, manche aber, so wie die des damals vierundachtzigjährigen Friedrich Meinecke, noch in den Händen mancher, die Belehrung und Erlösung suchten.

In all diesen Deutungen, den oberflächlichen und den konjunkturbestimmten ebenso wie den ernsthaften, wurde weniger erzählt als kommentiert. Aber die Frage vieler ging nun doch mehr auf eine Faktendarstellung, die das Bekannte in neuem Licht sehen, die aber dabei nicht nur die Lehren des Erlebten, sondern auch die Ergebnisse der Forschung der letzten Zeit darbieten würde.

Diesem Bedürfnis vor allem, aber nicht nur der Lehrer und Studierenden, kam vor acht Jahren zunächst Peter Russows verdienstliche „Deutsche Geschichte im Überblick“ mit guten Beiträgen entgegen. Aber das Handbuch muß eine möglichst ausführliche Darstellung der Fakten zugleich mit Angaben über Quellen und moderne Literatur bringen, es muß jeden Interessenten weiterführen in die Welt der Überlieferung und der Forschung. Dafür bot sich in erster Linie das altbewährte, von Bruno Gebhardt begründete Werk an. Es liegt nun, seit Ende 1960, in seiner 8. Auflage vor –

Bruno Gebhardt: „Handbuch der Deutschen Geschichte“, hrsg. von Herbert Cundmann, 4 Bde.; Union Verlag, Stuttgart; I. Bd. 735 S., 38 DM; II. Bd. 672 S., 38,– DM; III. Bd. 439 S., 30,– DM; IV. Bd. 374 S., 26,– DM.

Das Werk erschien in seiner ersten Auflage in zwei Bänden 1891 und 1892, bis zur 7. Auflage (1930) in seinem Aufbau an ein altes Handbuch der Kirchengeschichte angelehnt, in dem jeder Paragraph in einem Obertext und erläuternde ausführende Unterabschnitte eingeteilt war. Diese Methode paßte in ein mehr systematisches Handbuch; wo es aber im wesentlichen um geschichtliche Erzäl– lung ging, konnte sie nicht ohne Zwang und urnötige Wiederholungen angewandt werden. So hat der Herausgeber der 8. Auflage, dessen Bemühungen die Neugestaltung des Handbuches zu verdan- – ken ist, die fortlaufende Erzählung durchgeführt.