Auch Hüttenwerke Siegerland AG, Siegen, hat im Geschäftsjahr 1959/60 von der überreichen Ernte der westdeutschen Stahlindustrie ihren Teil eingebracht. Auch hier ist das vergangene Geschäftsjahr das Jahr der Superlative gewesen. Der Fremdumsatz der Gruppe – Hüttenwerke Siegerland einschließlich der beiden 100 vH Töchter Friedrichshütte und Blefa Blechwaren- und Faßfabrik GmbH – kletterte um rund 100 Mill. auf 626 Mill. DM. Davon betrug der Exportanteil 19,3 (15,4) vH. Diesem Rekordabsatz standen selbstverständlich auf Hochtouren laufende Produktionsanlagen zur Seite. Die in Siegen erzielten Zuwachsraten bewegen sich im Rahmen der übrigen Stahlindustrie. Die günstige Konjunktur auf dem Feinblechmarkt – der für Siegerland interessanteste Teilmarkt – erforderte eine Steigerung der Feinblecherzeugung um 120 200 t auf 691 600 t.

Besonders eindrucksvoll manifestiert sich diese Absatz- und Produktionsentwicklung auf der Ertragsseite. Wie die meisten Stahlerzeuger des Reviers, berichtet auch die Verwaltung des Siegerländer Unternehmens über das weitaus beste Geschäftsjahr seit der Neugründung. Und ganz ähnlich wie bei vielen anderen Werken der eisenschaffenden Industrie gibt auch hier die auf 12 (10) vH heraufgesetzte Dividende – auf ein vergleichsweise besonders niedriges Kapital von 46 Mill. DM – nicht entfernt einen Anhalt dafür, was Siegerland in dem einmaligen Boomjahr verdient hat. Im Hinblick darauf, daß der Körperschaftsteueraufwand für das Berichtsjahr mit 14,468 (6,460) Mill. DM mehr als verdoppelt wurde, scheint der an die Aktionäre auszuschüttende Betrag von 5,5 (4,6) Mill. DM sogar ausgesprochen mager. Die Verwaltung hat das ausgezeichnete Ergebnis, das bei „gestiegenen Umsätzen und günstiger Kostengestaltung erwirtschafte werden konnte“, u. a. für eine weitgehende Stärkung der Eigenkapitalbasis in Anspruch genommen. Der „anderen Rücklage“ sind 5,8 Mill. DM zugeführt worden; nach Entnahme von 0,9 verbleibt im Saldo eine Erhöhung der anderen Rücklage um 4,9 Mill. DM. Daneben sind auch die Rückstellungen beträchtlich dotiert worden, mirdestens zu einem Teil aus dem versteuerten Ergebnis.

Eine solche Reservebildung kann allerdings – bei Siegerland weniger als bei anderen Hütterwerken – nicht isoliert betrachtet werden. Dieses Unternehmen ist zwar der bedeutendste Feirblechproduzent der Bundesrepublik, aber es in zugleich sehr einseitig ausgerichtet und für etwaige Schwankungen des Marktes anfälliger als andere Hütten mit einem breiteren Erzeugungsprogramm. Tatsächlich hat die Siegerland-Verwalgung bereits ganz augenfällige Anhaltspunkte dafür, daß die Abschwächung auf diesem Teilmarkt der Stahlindustrie begonnen hat. Die Feinblechkapazitäten sind in allen wichtigen Stahlländern stark ausgeweitet worden. Sie sind in den letzten Jahren dem Bedarf um Längen vorausgeeilt; es wird eine Weile dauern, bis hier eine Anpassung erreicht werden kann. Einstweilen hat Siegerland mit einer starken internationalen Konkurrenz zu rechnen, die sich sowohl auf die Preise als auch bereits wieder auf die abzusetzenden Mengen erstreckt. Seit dem 2. Quartal des Jahres 1960 liegen die Auftragseingänge, die in Siegen verzeichnet werden, unter den Auslieferungen, so daß der Auftragsbestand tendenziell sinkt. Hinzu kommen aus dritten Märkten „heruntergewirtschaftete Preise“, die – wie die Verwaltung in einer Pressekonferenz erklärte – zu der Überlegung Anlaß gaben, ob die Hereinnahme der Aufträge finanziell und betriebswirtschaftlich zu rechtfertigen ist. Die Importe sind im vergangenen Jahre laufend weiter gestiegen und haben im Dezember 1960 einen bisherigen Höchststand von rund 79 000 t erreicht, gegenüber rund 30 000 t im Monatsdurchschnitt 1958 und rund 52 000 t in 1959.

Für die Hüttenwerke. Siegerland, die praktisch keinen Ausgleich haben, wenn ihr Haupterzeugnis in Bedrängnis kommen sollte, steht also die Prognose für das laufende Jahr schon auf einem ganz anderen Blatt als das glänzende Geschäftsjahr 1959/60. Die kommende Entwicklung könnte den Wunsch nach einer Eingliederung in einen größeren Verbund durchaus bekräftigen. Inzwischen ist die Dortmund-Hörder Hüttenunion als Mehrheitsaktionär bei Siegerland von der Hohen Behörde akzeptiert worden. Aber der ursprüngliche Plan, nach dem auch das 35 vH Paket, das im Portefeuille der August-Thyssen-Hütte liegt, nach Dortmund gelangen sollte, konnte bisher nicht realisiert werden.

Ingrid Neumann

* Die Deutsche Erdöl AG, Hamburg, hat mit der Continental Oil Co., Houston, Texas (Conoco) zwecks Herstellung petrochemischer Produkte zum Absatz auf dem europäischen Markt einen Vertrag geschlossen, der die Gründung einer DEA und CONOCO zu gleichen Teilen gehörenden Gesellschaft vorsieht. Die Neugründung soll den Namen CONDEA Petrochemie-Gesellschaft m. b. K. erhalten und wird ihren Sitz in Brunsbüttelkoog haben. Die Arbeiten zur Errichtung der Anlage in Brunsbüttelkoog werden unverzüglich begonnen werden. Es handelt sich dabei um einen Investitionsbetrag von zunächst 60 bis 70 Mill. DM. Mit der Fertigstellung der Anlage, die eine Kapazität von etwa 50 000 t pro Jahr höheren Alkoholen erhalten soll, ist Mitte 1963 zu rechnen.