,,Was wissen Sie von Eimern? ... Man merkt auch an den Möbeln, was einer für einen Umgang hat...“

Sie kam zweimal die Woche und dann acht Tage nicht und dann an einem Sonnabend und sagte: „Der Eimer ist zu schwer. Sie müssen einen Kunststoffeimer kaufen.“ – „Wenn Sie wiederkommen“, sagte ich, „ist bestimmt ein neuer Eimer da.“

„Was wissen Sie von Eimern?“ meinte sie verächtlich. „Ich habe Eimer geschleppt, die fast so schwer waren wie das Wasser, das da drinnen war!“ Und schon waren wir bei ihrer Biographie. „Zuerst war ich in einem Lokal angestellt“, sagte Frau Horst, „und mußte Geschirr spülen, Kaffee kochen und Würstchen heiß machen. Nachmittags von zwei Uhr bis nachts um zwei stand ich in der Küche. Die lag im Keller. Und von zwei bis zwei ging der Aufzug ’rauf und ’runter. Der Aufzug diente auch als Sprachrohr. Was die Wirtin mit mir zu besprechen hatte, das sagte sie durch den Aufzug. Aber nach zweieinhalb Jahren sagte die Wirtin, sie hätte jetzt einen Freund: der mußte nun spülen, Kaffee kochen und Würstchen heiß machen. Ihr Freund hieß Kuno.“

Frau Horst wrang den „Feudel“ aus, warf ihn in den Eimer und legte zwei Heftzwecken, die sie vom Fußboden aufgefischt hatte, in den Aschenbecher.

„Den Abfalleimer müssen Sie auch erneuern! Die neuesten haben einen Fußhebel. Und wenn Sie Gräten wegwerfen, wickeln Sie sie vorher in Zeitungspapier ein! Ich kann Gräten nicht sehen. Ich habe in einer Konservenfabrik Fische auf Stangen gezogen und ‚gemehlt‘. Dicke Männerstrümpfe hatte ich dabei an und zwei Säcke um den Bauch gebunden. Wissen Sie, warum? Es zog! Und da sagte ich mir: ‚Mach lieber an zwei Stellen sauber, und du verdienst das Doppelte!‘ Also machte ich abends in der Fabrik sauber und morgens in einem Museum. In dem Museum machte ich zuerst nur den Fußboden und die Treppen, aber später mußte ich auch rostige Waffen sauber machen und Staub von Pfeilen und Bogen putzen. Hab’ ich schon gesagt, daß damals noch Krieg war? – Der Oberinspektor war schon zweimal an der Galle operiert worden und mußte nicht an die Front. In einem ausgehöhlten Baumstamm im Erdgeschoß, den die Neger als Kanu zurechtgemacht hatten, verkroch er sich, wenn Alarm war. Und in dem Kanu hat ihn dann der Schlag getroffen. Ich fand ihn zuerst. Und die Polizei wollte zuerst nicht glauben, daß es der Oberinspektor war. Das Museum wurde bald danach geschlossen, und ich bekam ein Zweifamilienhaus mit einem Ehepaar und vier Kindern – von morgens um acht bis mittags um zwei. Wenn Sie wüßten, wer das war! Glauben Sie mir: Er war anständig. Ihm ging es nur um die Sauberkeit im Staat. Als es hieß, die Russen kämen, wollte mein Chef sich erschießen, samt seiner ganzen Familie. Aber es kamen die Amerikaner ...“

Ich setzte Kaffeewasser auf, und Frau Horst sagte: „Sie hätten mir schon öfter man eine Tasse Kaffee anbieten sollen. Wir riechen zuviel und sehen zuviel! Wenn Sie wüßten, was ich bei den Amerikanern alles gesehen habe! Jedenfalls reichte es aus, daß ich mir sagte: ‚So, jetzt gehst du gleich in einen Barbetrieb und machst dort sauber. Abends übernahm ich dann noch die Garderobe.“

„Der Herr gab mir fünf Mark“