Eine Stunde und fünfundzwanzig Minuten lang saßen sich im Warschauer Mislewicki-Palast der amerikanische Botschafter Jacob D. Beam und der chinesische Botschafter Wang Ping-nan gegenüber. Seit 1955 war es das 103. Gespräch dieser Art und das erste seit Kennedys Einzug ins Weiße Haus. Wenn der neue US-Präsident allerdings gehofft hatte, es werde gelingen, die Spannung zwischen den Vereinigten Staaten und Rotchina, die keine diplomatischen Beziehungen zueinander unterhalten, um ein weniges zu verringern, so sah er sich getäuscht.

Kennedy unterbreitete den Chinesen drei Anregungen: Freilassung der fünf amerikanischen Flieger aus chinesischer Haft, Austausch von Pressevertretern, Verzicht auf Gewaltanwendung zur Regelung von Streitfragen. Er kam den Chinesen insofern entgegen, als er von der früheren Haltung Washingtons abging, wonach sich das State Department vorbehielt, von Peking vorgeschlagene Pressevertreter selber zu „sieben“ und unter Umständen zurückzuweisen. Wang lehnte alle US-Vorschläge ab: Derlei Fragen könnten solange nicht geregelt werden, als die USA Formosa „besetzt“ hielten.

Die Aussichten für eine allmähliche Verbesserung des amerikanisch-chinesischen Verhältnisses haben sich danach wieder verfinstert. „Wir sind nicht zur Kapitulation bereit, nur um eine Verminderung der Spannungen zu erreichen“, sagte Kennedy. Er nannte die chinesische Haltung „rüde“ und „kriegerisch“. Und wenn auch die UN-Delegierte Eleanor Roosevelt für Rotchinas Aufnahme in die Weltorganisation eintrat, so machte doch Außenminister Rusk ganz deutlich, daß dies – wenn überhaupt – nur auf der Grundlage der „Zwei-China-Theorie“ geschehen könne. ts