H. W. Schleswig

Minigolf ist kein Sport – zumindest nicht in den Augen der Richter des schleswig-holsteinischen Landesverwaltungsgerichtes in Schleswig. Ihnen lag die Klage des Besitzers einer „Kleingolfanlage“ gegen eine Gemeinde vor. Die Gemeinde hatte ihm in einem Steuerbescheid mitgeteilt, daß er für seine Anlage Vergnügungssteuer zu zahlen habe.

Damit war der Mann nicht einverstanden – er vertrat vielmehr die Ansicht, daß Minigolf eine Sportart darstelle – steuerfrei also. So legte er zunächst Einspruch ein. Der Einspruch wurde abgelehnt. Da klagte er vor dem Landesverwaltungsgericht in Schleswig, das nun als höchste Instanz des nördlichsten Bundeslandes in verwaltungsrechtlichen Fragen darüber zu befinden hatte, ob die Gemeinde im Recht sei oder der klagende Minigolf-Besitzer.

Die Richter entzogen sich weder ihrer Verantwortung noch ihrer Aufgabe. Sie prüften den Fall des langen und des breiten. Sie taten das auf zweierlei Wegen. Einmal, indem sie einen Kleingolfplatz aufsuchten und das Spiel, das sie vorher nicht so recht kannten, selber erprobten. Am Ende ihres richterlichen Spiels stellten sie fest: „Bei dem Kleingolfspiel überwiegt der entspannende und unterhaltende Charakter. Daß dieses Spiel an Regeln gebunden ist, kann nichts Entscheidendes für seinen Charakter alsSport besagen. Denn auch die Bewegungsspiele wie Dritten-Abschlagen und Neckball haben ihre bestimmten einfachen Regeln. Für den Unterhaltungscharakter spricht ferner, daß das Spiel ohne jede Vorübung ausgeführt werden kann.“

Weiterhin meinten die Richter, daß die „beim Durchführen des Spiels auszuführenden Kniebeugen“, ganz abgesehen davon, daß sie auch beim Murmelspiel notwendig seien, nicht der eigentliche Zweck der körperlichen Betätigung, sondern eine „zwangsläufige Folge der Durchführung des Spiels seien“. Überdies hätten die Mitglieder des Gerichts beim Spiel „teils erstmalig, teils erneut“ die Erfahrung gemacht, daß die körperliche Anstrengung verhältnismäßig gering sei und sich, kaum von der des unterhaltenden Bewegungsspiels unterscheide. Und schließlich: „Das Erreichen oder Verfehlen des Ziels löst, da die körperliche Betätigung nicht um ihrer selbst willen betrieben wird, keine irgendwie geartete Enttäuschung aus, sondern wird gleichmütig hingenommen.“

Freilich haben sich die Richter keineswegs damit begnügt, am eigenen Leibe auszuprobieren, ob Mini – golf Sport sei oder nicht. Sie versuchten zugleich auch an Hand umfangreichen Schrifttums zu ergründen, was denn überhaupt Sport sei. So blätterten sie in „Bertelsmanns Bildungsbuch“ und lasen darin den Artikel von Carl Diem über den Sport, so studierten sie die 16. Auflage des Brockhaus aus dem Jahre 1957, und so blätterten sie im „Wiesbadener Kurier“ vom 8. März 1958, in dem sich ein Artikel über die Frage fand: „Was ist Sport – was nicht?“ Sie kamen zu der Feststellung, daß der Begriff Sport nur auf eine körperliche Betätigung Anwendung finden könne. Die körperliche Betätigung aber, die beim Minigolf erforderlich sei – sie genüge nicht.

Die Quintessenz, die die Schleswiger Verwaltungsrichter am Ende zogen, war ebenso knapp wie einleuchtend: „Eine Veranstaltung stellt eine Vergnügung dar, wenn sie objektiv geeignet ist, das Bedürfnis der Teilnehmer nach Zerstreuung und Entspannung zu befriedigen. Sportliche Veranstaltungen sind Vergnügungen für den Zuschauer, nicht hingegen auch für die Sporttreibenden selbst, weil den Hauptzweck des Sports als planmäßig betriebener Körperübung nicht die Unterhaltung bildet...“