Im Geschäftsbericht der senatseigenen Berliner Bank AG die unter den großen deutschen Regionalbanken eine Sonderstellung einnimmt, heißt es u. a. wörtlich: „Die industrielle Produktion Westberlins ist (1960) um etwa 15 vH gestiegen, wieder stärker als im Bundesgebiet, wo die Zuwachsrate 11 vH betrug.“ Und an anderer Stelle: „Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung hat sich im Geschäft unserer Bank deutlich widergespiegelt. Im Hinblick auf die besondere Lage Westberlins ist der verstärkte Anstieg der Spareinlagen bemerkenswert; für die konjunkturelle Situation ist die stärkere Ausweitung unseres Kreditvolumens kennzeichnend.“ In Berlin geht es voran. Schon ein kurzer Blick in den Geschäftsbericht bestätigt diese Angaben: bei unv. 30 Mill. DM Grundkapital stieg das Bilanzvolumen auf 1068,9 (i. V. 990,8) Mill. DM und überschritt damit erstmals am Stichtag – zuvor bereits im Mai – die Milliardengrenze. Der Gesamtumsatz (ohne interne Verrechnungen) betrug 58,3 (53,7) Mrd. DM. Die gesamten Einlagen erhöhten sich auf 938,2 (896,8) Mill. DM, wovon 809,2 (784,1) Mill. DM von der Kundschaft stammten. Sämtliche Zweige des Geschäfts, auch mit dem Ausland, besonders mit Entwicklungsländern und einigen Ostblockstaaten, einer Spezialität des Instituts, haben sich „stetig“ bis „wesentlich“ weiterentwickelt. Die Ertragseite der Gewinn- und Verlustrechnung schließt, nachdem wieder „beträchtliche Teile zur Stärkung der stillen Reserven verwendet“ worden waren, mit 46,4 (43,6) Mill. DM ab. Die Zuweisung an die freie Rücklage wurde nach dem ungewöhnlich hohen Vorjahresbetrag von 5,0 Mill. DM wieder auf „normal“ 3,0 Mill. DM reduziert, so daß sich das ausgewiesene Eigenkapital jetzt auf 53 (50) Mill. DM beläuft, davon 3,0 Mill. DM gesetzliche und 20 Mill. DM freie Rücklage.

Der Reingewinn von 3,6 (3,0) Mill. DM hätte dazu ausgereicht, 12 vH Dividende auszuschütten. Das Land Berlin als Alleinaktionär hat aber Wert darauf gelegt, wieder nur 10 vH zu erhalten und die restlichen 0,6 Mill. DM vorzutragen. Der Entschluß des Berliner Senats hat nicht etwa seinen Grund in einem übermäßigen „Reichtum“ der Landeskasse, sondern läßt einen anerkennenswerten Sinn für Realität erkennen. Wenn es auch seit Beginn der „Berlin-Krise“ in der Stadt zu keinem „Bankenkrach“ gekommen ist, so zeigt doch die politische Entwicklung immer wieder, wie krisenanfällig ein Wirtschaftskörper von der Größe Berlins sein kann. Die Berliner selbst sind die letzten, die eine politische „Katastrophe“ für möglich halten. Aber sie meinen, verantwortungslos zu handeln, wenn sie nicht jederzeit gegen Störungen gewappnet sind.

In den letzten Jahren war die Berliner Bank AG stets nicht nur die erste Großbank der Stadt, die ihre Bilanz fertiggestellt hatte, sie war auch hinsichtlich der Dividende der „Vorreiter“ für die drei Berliner Töchterinstitute der Großbanken. Nach allen bisherigen Andeutungen haben diese ein so gutes Jahr hinter sich gebracht, daß ihre Ertragskraft wieder nicht auf den Dividendenbeitrag ihrer Berliner Töchter angewiesen ist. Zudem muß den westdeutschen Müttern bestätigt werden, daß sie von jeher viel mehr darauf bedacht waren, die Töchter zu stärken und mit den für ihre besonders risikoreiche, wenn auch bisher stets erfolgreiche Tätigkeit erforderlichen Mitteln auszustatten, als von ihnen Beiträge zu ihrem eigenen Wohlstand zu erwarten. Dennoch darf man mit einiger Spannung darauf warten, ob diese Töchter auch in diesem Jahr bei den 10 vH Ausschüttung bleiben, die ihnen die Senatsbank vormacht. Wer weiß, daß es in der Verwaltung der Berliner Bank starke Kräfte gegeben hat, die eine höhere Ausschüttung befürworteten, könnte sich vorstellen, daß die Töchter der Großbanken diesmal Wert darauf legen, mit einer erhöhten Dividende die Visitenkarte für ihre zunehmende Ertragskraft abzugeben. G. G.