Lassen Sie uns heute, meine verehrten Leser, Die Frage erörtern, für wen der Kauf sogenannter „junger Aktien“ empfehlenswert ist. Der Markt „junger Aktien“ führt meist ein ungerechtfertigtes Schattendasein. Er wird oftmals auch in Kreisen der Anlageberater nicht genügend gewürdigt, obwohl sich hier gerade für langfristige Anleger zusätzliche Verdienstchancen eröffnen. Dieser Tatsache ist es zuzuschreiben, daß die Kurse junger und alter Aktien der gleichen Gesellschaft häufig grundlos auseinanderklaffen. Der aufmerksame Aktiensparer findet deshalb bei den jungen Aktien manchmal günstige „Einkaufsmöglichkeiten“. Man muß sich jedoch in die Sache hineinknien.

Zunächst: Was sind junge Aktien? Alte und junge Aktien werden unterschieden, wenn nach einer Kapitalerhöhung die jungen Aktien den alten gegenüber nicht gleichberechtigt sind. Solange junge Aktien, die zum Börsenhandel zugelassen sind, nicht den gleichen Gewinnanspruch haben wie die alten Aktien, erfolgen getrennte Notierungen.

Sie sehen aus dieser Erklärung, meine verehrten Leser, daß alte und junge Aktien der gleichen Gesellschaft unterschiedlich „ausgestattet“ sein können. Wenn eine Gesellschaft, deren Geschäftsjahr mit dem Kalenderjahr identisch ist, um die Jahresmitte ihr Kapital erhöht und in den Konditionen sagt, daß die aus der Kapitalerhöhung stammenden Aktien ab 1. Juli dividendenberechtigt sind, dann haben diese Aktien nur Anspruch auf die halbe Jahresdividende, während die alten Aktien natürlich mit der vollen Dividende bedient werden.

Logischerweise ist also die junge Aktie um den vermutlichen halben Dividendensatz niedriger zu bewerten. Wenn man folglich bei einem Unternehmen mit 16 vH Dividende rechnet, dann müßten die jungen, mit halber Dividendenberechtigung ausgestatteten Aktien um 8 Punkte niedriger notiert werden.

Die Differenz ist aber in der Regel größer. Das mag so lange eine gewisse Berechtigung haben, wie die jungen Aktien noch nicht „amtlich“ notiert werden, was sie nur können, wenn die Urkunden für die neuen Aktien tatsächlich auch vorliegen. Das hat zwar kaum eine praktische Bedeutung, weil nur wenige Aktionäre ihre Aktien selbst verwahren. Aber die Gewißheit, daß man sich notfalls die Urkunden auch aushändigen lassen kann, gehört nun einmal dazu. Da aber der Aktiendruck immer nur eine Frage der Zeit ist, läßt sich absehen, wann sich die durch sachliche

Kurse junger Aktien

Gesellschaft / Dividendenberechtigung* / Kurs am 10.3.1961 / „Alte“ Aktien am 10.3.1961 / „Gerechtfertigte“ Differenz Chemie-Verwaltung 1/2 827 845 6–7