Während in unseren Breitengraden die ersten Krokusse aus dem Boden lugen, lassen sich an den Gestaden von Pantelleria, der Insel zwischen Sizilien und Tunesien, schon Unterwasserjäger in die mediterranen Fluten gleiten. Die Insel liegt hundert Kilometer südwestlich des sizilianischen Kaps Granitola (vierzig Flugminuten von Trapani) und 69 Kilometer unterhalb des tunesischen Kaps Bon vor dem Golf von Hammamet. Bei klarem Wetter kann man vom 836 Meter hohen (erloschenen) Vulkan Montagna Grande sogar die tunesische Küste sehen, und im Nordwesten liegt Sizilien im Blickfeld: Ein eindrucksvolles Panorama. Es nimmt nicht wunder, daß die italienische Insel, die geographisch schon zu Afrika gehört, arabische Einflüsse spürbar werden läßt, nicht zuletzt in der Sprache: Man spricht italienisch mit arabischen Brocken.

Pantelleria eignet sich freilich nicht für Leute, denen es im Urlaub nach „Betrieb“ und der Gesellschaft von „Leuten von Welt“ gelüstet. Pantelleria ist nicht mondän, es ist vom Tourismus noch so gut wie unentdeckt – ein ruhiger Flecken Erde, dünn besiedelt: auf 83 Quadratkilometern wohnen etwa, 10 000 Menschen, vorwiegend Bauern und Fischer. An den Hängen des Montagna Grande und des im fast unbewohnten Süden gelegenen Cuccia Attaloro wächst ein vorzüglicher Wein, und zu den Reichtümern der Insel gehören Oliven, Südfrüchte und Weizen.

Ob die Griechen Pantelleria einstmals besaßen, ist nicht ganz sicher, auch wenn der alte Name Kossyra darauf hindeutet. In die Geschichte geriet das Eiland erst als Kolonie der Römer, die hier eine Flottenstation eingerichtet hatten, von der aus sie die Meerenge von Sizilien kontrollierten. Reste davon kann man noch in der Nähe der Stadt Pantelleria im Nordwesten entdecken. Zeitweise hatten die Karthager Besitz von der Insel ergriffen, bis sie wieder von den Römern vertrieben wurden. Im Mittelalter diente die Insel lange als Sprungbrett für die Sarazenen, bis Roger Guiscard sie für Sizilien eroberte. Italienische Monarchen machten sie später gar zur Strafkolonie. Die strategische Lage ließ Pantelleria im Zweiten Weltkrieg noch einmal zu einem heiß umkämpften Stützpunkt werden, dann eroberten die Alliierten die Insel und ließen 1947 alle militärischen Flug- und Flottenanlagen zerstören: Pantelleria wurde laut Friedensvertrag entmilitarisiert. Seitdem ist die Ruhe eingezogen.

Die von der italienischen Provinz Trapani verwaltete Insel hat nur sechs Ortschaften. Im Norden liegt das hübsche Dörfchen San Vito, malerisch hingestreckt an einen See unweit der Küste. Etwas südlicher findet man, sanft an den Montagna Grande gefügt, das Weindorf San Michele, von dem aus die beste Straße der Insel nach San Antonio führt, einem fast arabisch anmutenden, nahe dem Kap Tramontana an der Nordostküste gelegenen Dorf. Es ist zu einem Paradies für Unterwasserjäger geworden, die hier mit Schwimmflossen und Harpunen dem färben- und formenreichen mediterranen Seegetier nachstellen. Die Gerechtigkeit gebietet indessen zu sagen, daß die Jagdgründe an den Gestaden des fast menschenleeren Südens nicht weniger reizvoll sind, etwa an der Balata dei Turchi, der „Türkenküste“, die zum vorderasiatischen Teil des Mittelmeeres weist.

Unterkunft findet man in der Stadt Pantelleria. Dort bieten – zu niedrigeren Preisen als auf der italienischen Halbinsel – zwei Hotels und mehrere Pensionen ihre Dienste an. Überdies gibt es auf der Insel, um die sich rings ein wunderbarer Sandstrand zieht, viele Plätze, die zum Camping geradezu einladen.

Von Trapani aus wie auch von Porto Empedocle läuft je zweimal wöchentlich ein Liniendampfer den Hafen von Pantelleria an, von Trapani aus direkt, von Porto Empedocle über Linosa und Lampedusa. In Palermo startet wöchentlich einmal ein Flugzeug direkt nach Pantelleria, dreimal wöchentlich wird die Route Palermo-Trapani-Pantelleria geflogen. Wernant Kraeling