Herr Dr. Donau spricht nur das aus, was wir alle längst wissen: Die juristische Ausbildung ist zu einer konventionellen Lüge geworden, einem Skandal und Ärgernis, mit dem sich aber – leider – die meisten zynisch abgefunden haben. Nur hätte ich mir die Verbesserungsvorschläge Doktor Donaus etwas deutlicher gewünscht. Die Wurzel allen Übels liegt doch darin, daß man nicht den Mut aufbringt, sich im Interesse der Allgemeinheit über Standesinteressen hinwegzusetzen und die notwendigen Folgerungen aus einer unhaltbaren Lage zu ziehen. Die erste Folgerung wäre, daß man Forschung und Lehre trennt. Man sollte sich durch alles Gezeter und Lamentieren nicht beirren lassen. Die Fakultäten sind längst zu Fachschulen geworden, nur eben zu schlechten Fachschulen. Es hilft nur eines: Die alte juristische Fakultät in eine echte Rechtsschule von hohem pädagogischen Rang umzugestalten. Die eigentliche Rechtswissenschaft bliebe einigen wenigen wirklichen Universitäten vorbehalten. Hieraus ergibt sich dann alles andere.

Was Dr. Donau über die Vorlesungen sagt, ist völlig richtig. Es ist nicht pädagogisch, den Stoff nach Gesetzbüchern abzuhandeln. Aber geben wir es zu: Es ist auch nicht wissenschaftlich. Es ist nur bequem. Man muß den Stoff nach Stoffgebieten einteilen und darf hierbei eine wirtschaftliche Betrachtungsweise nicht außer acht lassen. Selbstverständlich muß man mit der Rechtsmethodik beginnen, d. h. der Lehre von der Rechtsauslegung und Rechtsanwendung. Eine solche Vorlesung gibt es heute nicht. Hier wäre das Wesentliche sogleich an Hand von praktischen Fällen und höchstrichterlichen Entscheidungen zu demonstrieren. Im übrigen sollte die ganze Ausbildung von Anfang an vorwiegend Männern der Praxis vorbehalten bleiben und auf ein gehöriges Maß zurückgeschnitten werden. Soweit man Nebenfächer für notwendig hält, könnte jeweils eine Prüfung sofort im Anschluß an das Semester stattfinden, damit die Studenten nicht durch sie beim Schlußexamen belastet werden.

Bildung für die Juristen? Ja, aber eine ganz andere als diejenige, die man bisher verfüttern wollte, jenes wertlose Konglomerat von ein bißchen Philosophie, ein bißchen Geschichte, ein bißchen Kunst und Literatur. Es käme vielmehr darauf an, die Zusammenhänge aufzuzeigen zwischen dem Phänomen des Rechtes und den anderen Phänomenen unserer Kultur und Zivilisation, also die Zusammenhänge zwischen Recht und Politik, Recht und Wirtschaft, Recht und Technik, Recht und Kunst. Diese Bildung könnten allerdings nur wirkliche Rechtsforscher vermitteln, keine Juristen, die nur Spezialisten sind. Wo sind diese Rechtsforscher?

Regierungsrat Walter Moré, Berlin-Dahlem