Die erste offizielle Stellungnahme aus Kreisen der deutschen Stahlindustrie zur DM-Aufwertung brachte die diesjährige Hauptversammlung der Phoenix-Rheinrohr AG, Düsseldorf, als Vorstandsmitglied Ernst-Wolf Mommsen die währungspolitische Entscheidung der Bundesregierung mit scharfen Worten attackierte. Die ausländischen Abnehmer der Phoenix-Rheinrohr AG seien künftig nicht mehr bereit, auf der Basis der DM abzuschließen. Dies bedeute für die internationale Stellung der DM im Handelsverkehr einen bedauernswerten Rückschlag. Die DM verliere hierdurch wieder ihre gerade erreichte Stellung als Handelswährung und werde in die Position einer Spekulationswährung verwiesen. Für Phoenix-Rheinrohr habe die Aufwertung beträchtliche Auswirkungen, da das Unternehmen mit seinen Beteiligungsgesellschaften in höherem Maße exportabhängig sei als der Durchschnitt der deutschen Eisen- und Stahlindustrie. Wenn der in jahrelanger mühseliger Arbeit – so führte Mommsen aus – wieder aufgebaute Export aufrechterhalten werden soll, so bedeute dies den Eintritt in die nunmehr niedrigeren Konkurrenznotierungen. „Die Konsequenz ist“ – so hieß es wörtlich – „daß damit unsere in den letzten Monaten gerade wieder etwas verbesserten Exporterlöse in vielen Fällen unter den Tiefpunkt sinken, den wir in den letzten Monaten des alten Jahres zu verzeichnen hatten!“

Nach Mommsens Ausführungen dürfen auch die möglichen Auswirkungen der Aufwertung auf die innerdeutschen Stahlpreise nicht übersehen werden. Tatsächlich weist der deutsche Stahlmarkt schon seit Jahren eine in großen Teilen der übrigen Industrie nicht bekannte Preisstabilität auf. Alle Kosten und Lohnsteigerungen der letzten Jahre konnten bei den Hüttenwerken intern „verkraftet“ werden. Das sei indessen nur möglich gewesen, so betonte der Sprecher der Phoenix-Verwaltung, auf der Basis günstiger Rohstoffpreise und auf Grund der durch den Export erzielten hohen Auslastung der Betriebsanlagen. Rückläufiger Export jedoch und damit verminderte Beschäftigung könne diese Preisstabilität gefährden und den deutschen Stahlpreis „wie in vielen anderen Ländern der Welt zum Spielball von Hausse und Baisse machen“.

Mommsen verwahrte sich im weiteren Verlauf seiner HV-Rede über die Annahme, daß es sich bei der Beurteilung des Stahlexportes um eine reine Frage des Profits handele, der jetzt eben etwas reduziert würde. Die deutsche Stahlindustrie habe ihren Export nach dem Kriege nur mit größten Anstrengungen wieder aufbauen können. Sie habe in den letzten Jahren zur Aufrechterhaltung des Ausfuhrgeschäftes große Opfer bringen müssen, und sie habe dies im Interesse der Beschäftigung ihrer Anlagen und der Sicherung der Arbeitsplätze getan. „Nachhaltige Schädigungen unseres Exports durch Exportbehinderung oder währungspolitische Maßnahmen können dieses Mal“ – so lautete das Fazit – „Dauerfolgen haben, die bis zu Standortsüber legungen gehen können.“

Im Hinblick auf die Situation bei Phoenix-Rheinrohr hieß es, daß die mit der Aufwertung verbundene Verbilligung im Einkauf bei weiten nicht die Erlöseinbußen im Export ausgleichen könnten. Unter diesen Vorzeichen fiel der Verwaltung eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr einigermaßen schwer. Allerdings sind die bisher vorliegenden Ergebnisse des ersten halfen Jahres durchaus geeignet, als entscheidende Hilfe für die Überwindung der bestehenden Schwierigkeiten angesehen zu werden. Produktion und Versand liegen im Phoenix-Bereich bisher noch mindestens auf dem hohen Niveau des abgelaufene Geschäftsjahres. Der Umsatz erreichte von Oktober bis einschließlich Februar 758 Mill. DM gegenüber 707 Mill. DM in der entsprechenden Vorjahrszeit. Der Exportanteil betrug wiederum rd. 25 vH. Der Auftragseingang lag sogar nochmals um 13 vH über dem des Berichtsjahres.

Aufsichtsratsvorsitzer Prof. Dr. Robert Ellscheid teilte am Schluß der gutbesuchten Versammlung mit, daß von der diesjährigen Dividendenausschüttung bereits 9 Mill. DM d. s. 31 vH der Phoenix-Dividende – für die Förderung der Wissenschaften eingesetzt werden. Das ist der Anteil der Fritz-Thyssen-Stiftung, die zu 75 vH aus Aktien der Phoenix-Rheinrohr AG besteht.

nmn