Von Max Rychner

Es ist eine Freude mitteilen zu können, daß von den zehn geplanten Briefbänden nun auch der vierte erschienen ist –

Jacob Burckhardt: „Briefe“, vollständige und kritisch bearbeitete Ausgabe, hergestellt von Max Burckhardt; Insel Verlag, Frankfurt; 456 S., 16 Bildt., 26,– DM.

Werner Kaegi mit seiner Biographie, Max Burckhardt mit seiner kritischen und erläuternden Ausgabe der Briefe, sie beide arbeiten an einem überdauernden Monument des großen Historikers, welches zusammen mit den Werken die Burg seines Ruhmes ausmachen wird. Der vorliegende Band IV umfaßt den Zeitraum April 1858 bis Ende 1867 (Geburtsjahr 1818). Die Briefe des ordentlichen Professors an die gleichaltrigen Freunde nehmen an Zahl ab, die an jüngere Fachgenossen, meist frühere Schüler, zu, darunter rührend gewissenhafte Wegleitungen für junge Italienfahrer.

Die Weltvorgänge werden von verfestigter persönlicher Warte aus betrachtet; über den Krieg von 1866 sind erstaunlich wenige briefliche Bekundungen vorhanden. Wieder ärgert ihn das Politisieren Gottfried Kinkels; er winkt ihm mißmutig ab: „Ich sage daher wieder wie vor 19 Jahren: Geh Du Deine Wege und laß mich meine gehn. Ich verzichte feierlich auf jedes Herzeleid um Deinetwillen ...“ Was ist aus der Freundschaft mit dem Manne geworden, den er vorzwanzig Jahren noch mit „Herzliebster Urmau!“ angeredet hatte, in welch enthusiastischen Briefen! Er hat die Vergänglichkeit der Erdendinge in eigener Seele erfahren. Eine Jugendepoche ist für ihn versunken, ein schönes Vineta, nach welchem er jedoch nicht mehr hinabblicken will.

Briefstelle zu 1866: „Auf Eins warte ich noch mit Neugier: ob und wie bald in Süddeutschland ein tiefer und grimmiger Preußenhaß wieder an die Oberfläche kommen wird? bis jetzt macht man noch immer, selbst von der Münchner Kammer aus, Kußhändchen gegen das Preußen hin, welches einem die Absätze und Sporen ins Gesicht hinein treibt. Wir Schweizer treiben, scheint mir, ganz unbefangen und unwiderstehlich der französischen Allianz zu. In Voraussicht dessen habe ich bereits für meine Person alles Schimpfen und Spotten über Ihn eingestellt. Mir graut aber etwas vor dieser Zukunft.“ Blick auf das Verhältnis zwischen Süddeutschland und Preußen, das nicht ganz die von ihm erwartete und ein bißchen gewünschte Spannung aufweist. Mit Ihn ist Napoleon III. gemeint.

Die Namen Preen, Geymüller, Alioth treten vereinzelt auf, noch ist nicht erkennbar, daß sie in folgenden Bänden zu großer Wichtigkeit heranwachsen werden. Aber auch der Schreiber wußte es nicht.

Mit wohlgesetzten Formeln dankt der Herausgeber den Behörden und Institutionen, die ihn in seiner Arbeit unterstützt haben. Man möchte wünschen, daß keine mögliche Hilfe versäumt würde, die dem schweren Herausgeberwerk und dem, der es leistet, dienen kann.