W. Gong: „Nekrolog auf verlorenes Eigentum“

Mit Bedauern lese ich den Artikel „Nekrolog auf verlorenes Eigentum“. Der Wunsch nach Rückgabe des beschlagnahmten deutschen Eigentums ist weder eine „Belastung“ des deutschamerikanischen Verhältnisses – denn er ist von der amerikanischen Senatsmehrheit als berechtigt anerkannt worden –, noch ist er unter dem Gesichtspunkt „Geldinteressen gegen Geldinteressen“ zu sehen. Der Artikel wird großen Schaden tun, weil er von den amerikanischen Interessenten ausgebeutet werden wird. Es ist mir unverständlich, was einen deutschen Journalisten zu einer solch unmotivierten Schädigung deutscher Ansprüche hat bewegen können. Schnitzler, Gut Giersberg, Bez. Köln

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Zu den Ausführungen von W. Gong über das verlorene deutsche Eigentum in den USA kann man nur sagen: So geht es nun auch nicht! Unsere Regierung hat zwar tatsächlich auf das deutsche Vorkriegsvermögen in Amerika verzichtet als Gegenwert für nicht zu zahlende Reparationskosten, und es war im Grunde unfair der amerikanischen Regierung gegenüber, das nicht deutlich zu erklären, wenn periodisch immer wieder Stimmen laut wurden, die den Amerikanern vorwarfen, daß ausgerechnet sie, die das Privateigentum so hochhielten, beschlagnahmtes deutsches Eigentum nicht herausrückten. Aber die deutsche Regierung hatte den Amerikanern, die solchen Äußerungen wohl vorbauen wollten, zugesagt, daß sie ihrerseits die Eigentümer in Deutschland entschädigen werde. Und dazu wäre es nun ja wahrhaftig an der Zeit, nachdem die Amerikaner jetzt auch unter Kennedy klipp und klar erklärt haben, daß sie nicht daran dächten, diese Zahlungen, zu denen sie nicht verpflichtet sind, zu leisten.

Diese Verluste gehören genauso in den Lastenausgleich – etwa unter dem Motto „Reparationsgeschädigte“ – wie die Verluste im Osten. Die Verlierer sind genauso unschuldig um ihr Hab und Gut gekommen, wie diejenigen, die dort ein Gut, eine Fabrik oder sonstige Vermögenswerte verloren haben; sie müßten nach denselben Grundsätzen entschädigt werden.

Daß wir uns nicht auf die sog. kleine Rückgabe eingelassen haben, halte ich vom Standpunkt der Verlierer aus für durchaus richtig. Sie wollten kein Almosen von den USA, das zudem zu der unter dem Gesichtspunkt des Privateigentums ausgesprochen ungerechten und ungerechtfertigten Lösung geführt hätte, daß nur Ansprüche bis 10 000 $ berücksichtigt werden sollten. Sie wollen eine gerechte – eine sozusagen maßstabgerechte – Entschädigung von unserer eigenen Regierung. Denn Lastenausgleich bedeutet ja schließlich, daß die Lasten ausgeglichen werden sollen und niemand die Last des Verlustes allein tragen soll.

Dr. L. Kayser, Köln