Zugegeben: Die Sitte, einen verdienten Mann anläßlich seines 60. Geburtstags zu feiern, ist überholt. Ein Sechzigjähriger ist heutzutage kein Jubelgreis, sondern ein Mann, der sich selber entschließt, ob er alt sein will oder nicht. Doch wie jeder Anlaß willkommen sein kann, so auch dieser: Hanns Hubertus Graf Merveldt vollendet am 24. März sein 60. Lebensjahr, und wir sind dankbar, daß es ihn gibt.

Dies ist ein persönlicher Gruß und Dank. Wir feiern nicht den Maler, der in seiner Jugend den Rom-Preis erhielt und dessen Bilder in den Museen hängen, nicht den Künstler, der im Kampf der Kunstrichtungen nicht wich und wankte, sondern seinen eigenen Stil entwickelte und beibehielt. Wir danken dem Freunde der ZEIT, der uns mit Ratschlägen und vielen Zeichnungen jahrelang geholfen hat, diese unsere Wochenzeitung zu entwickeln und zu bereichern. Die Zeichnungen ordnete er selber in die Gruppe „Kunsthandwerk“ ein und verfertigte sie unter seinem anderen Adelstitel, dem des westfälischen Freiherrn von Lembeck. Lassen sie Schlüsse auf die Meisterschaft des Grafen Merveldt als Porträtist zu? Ich hoffe es, aber ich weiß es nicht.

Den Namen Merveldt trägt in Westfalen auch das Merfelder Bruch, wo der Herzog von Croy seine Wildpferde sich tummeln läßt: Geschöpfe von stolzem, manchmal ungebärdigem Charakter. Doch sei zum Lobpreis Merveldts außerdem wiederholt, was Kunstkenner in großer Übereinstimmung sagen: Seine Bilder – die sich dem Betrachter in ihrer Strenge nicht immer leicht erschließen – haben die Eigenschaft, daß sie stets schöner werden, je länger man mit ihnen lebt. Dies – so dürfen wir hinzufügen – haben wir selber ausprobiert; es ist wahr und ein Grund, uns zu dem Freunde wie zu dem Maler Merveldt zu gratulieren. J. M-M