Von Wolf gang Krüger

Das „größte wirtschaftspolitische Ereignis“ in der Bundesrepublik, wie die D-Mark-Aufwertung genannt wurde, liegt mehr als vierzehn Tage hinter uns. Das „Abenteuer“ nimmt seinen Lauf, – wohin es führen wird, kann im Augenblick noch niemand sagen. Die Aufwertung kann ein Schlag ins Wasser sein, sie kann die erwünschten positiven Folgen haben, und sie kann, auch das ist nicht ausgeschlossen, sich als eine Fehl-Operation erweisen, etwa nach dem Muster des „schwedischen Beispiels“.

Dieses Exempel einer mißlungenen Währungsoperation ist von den Gegnern und Kritikern der D-Mark-Aufwertung mit Eifer zum schvarzen Mann herausgeputzt worden. Schweden hat nach dem Zweiten Weltkrieg, im Juli 1946, die Krone um 16,66 vH aufgewertet. Diese Aufwertung wurde ein Mißerfolg, der in die Historie der Währungsgeschichte eingegangen ist. Einer der Gründe dafür, wahrscheinlich der entscheidende Grund, war die Tatsache, daß die preisdämpfenden Auswirkungen dieser Maßnahme durch Inflationierung im Innern, – durch sprunghafte Erhöhung der Staatsausgaben, der sozialen Leistungen und der Löhne nicht nur kompensiert, sondern überkompensiert wurden. Auf dem Marsch in den Wohlfahrtsstaat stiegen die Kosten undPreise stärker als vor der Aufwertung. Sie mußte denn auch, nachdem der Export nahezu zum Stillstand gekommen war, nach drei Jahren zurückgenommen werden, durch eine Abwertung der Krone auf die alte Währungsparität.

Die schlechten Erfahrungen, die Schweden mit diesem Experiment gemacht hat, sagen also noch nichts über das Für und Wider einer Aufwertung aus. Sie sind nur ein Beispiel dafür, daß eine Aufwertung, für sich allein genommen, nicht das große Zaubermittel ist, das mit einem Schlag eine überschüssige Zahlungsbilanz wieder ins Gleichgewicht und eine überschäumende Konjunktur wieder ins Gleichmaß bringt.

Eine Aufwertung muß „richtig“ dosiert sein, wenn sie ein Erfolg werden soll. Aber vor allem muß der durch die Änderung des Außenwertes einer Währung geschaffenen neuen handelspolitischen Lage auch im Inneren Rechnung getragen werden. Der von der Aufwertung ausgehende dämpfende Effekt auf die Exportkonjunktur muß ergänzt werden durch Maßnahmen, die der inneren Expansion Zügel anlegen, die ja nicht allein eine Folge der Ausfuhr- und Devisenüberschüsse ist.

Es war also nicht ganz von ungefähr, daß der Bundeswirtschaftsminister, gewissermaßen als erste Amtshandlung nach der erfolgten Aufwertung (die Gespräche mit den „Klubs der Währungsgeschädigten“ gehören ja in ein anderes Kapitel), Verbindung mit den Gewerkschaften aufgenommen hat. Die Gewerkschaften sind zwar nicht die einzigen, die an der „Schraube“ drehen. Aber sie gehören auch dazu. Das Gespräch mit ihnen war auch deswegen besonders vordringlich, weil in einem wichtigen Bereich der Wirtschaft, in der Bauwirtschaft, ein schon im Februar abgeschlossener Tarifvertrag, der ab l. Mai 1,3 Millionen Beschäftigten eine Lohnerhöhung um durchschnittlich 11 Prozent bringen sollte, in der vergangenen Woche dicht vor der endgültigen Ratifizierung stand.

Der Demarche des Bundeswirtschaftsministers war lediglich ein Achtungserfolg beschieden. Die Bauarbeiter-Gewerkschaft lehnte es ab, mit den Arbeitgebern in neue Lohnverhandlungen einzutreten. Immerhin erklärte sie sich aber bereit, das Inkrafttreten der Lohnerhöhung vom 1. Mai auf den 1. Juni zu verschieben ...