Gerd Bucerius: „Wie man Steuern spart“, ZEIT Nr. 50/1960

Zu Ihrem Artikel darf ich Ihnen mitteilen, daß ich nicht Eigentümer von Hotel und Flughafen Lugano bin. Beides betreibt eine Gesellschaft, die mir nicht gehört und die ich auch nicht beherrsche. Ich gehe in Lugano auch nicht meinen Hobbys nach, weil mir die Steuerfahndung in Düsseldorf lästig geworden ist. Ich bin schon seit 1955 in Lugano polizeilich gemeldet und wohne seit November 1957 – also längst vor Beginn der Maßnahmen der Steuerfahndung – ganz in Lugano. Dort erledige ich – ohne Hilfe auch nur einer Schreibkraft – alle Arbeiten, die ich als Vorstandsvorsitzender der Alfons Müller-Wipperfürth A. G. zu leisten habe. Die Flugzeuge brauche ich nicht, um meine Kinder jeden Tag von Lugano über die Alpen nach Zürich zu fliegen; sie werden im Dienste der Müller-Wipperfürth A. G. eingesetzt.

Leider ist es auch nicht so, daß einem Aktionär, der in der Schweiz wohnt, von einem Gewinn von 100 000 DM ein freier Rest von 64 900 DM verbleibt, während ein in Deutschland wohnender Aktionär nur 32 000 DM übrig behält. Es sind nämlich nur 49 582 DM, die einem von einem Gewinn von 100 000 DM bleiben, wenn man in der Schweiz wohnt.“

Alfons Müller-Wipperfürth, Lugano-Tessin