Wer die Geschäftsberichte der Hypothekenbanken für das Jahr 1960 studiert, wird nicht an der Feststellung vorbeikommen: Die Restriktionspolitik der Bundesbank ist hier nicht ohne Wirkung geblieben. Nahezu übereinstimmend wird von einem wesentlich ruhigeren Neugeschäft gesprochen. Aber ist damit schon das Ziel der Bundesbank, nämlich die Konjunktur zu dämpfen, erreicht worden? Ohne Zweifel war die Baufinanzierung im Jahre 1960 nicht leicht, aber wer herumfragt, wird immer wieder hören, daß deshalb kaum ein Bau unterblieben ist, auf keinen Fall die Ausführung der großen Projekte. Man hat sich mit Zwischenfinanzierungen geholfen.

So kommt es, daß trotz eingeschränkter Aktivität der Realkreditinstitute die Baukonjunktur weiter auf vollen Touren lief und auch noch eine Zeitlang weiter so gelaufen wäre, auch wenn die Bundesbank ihre Restriktionspolitik nicht gemildert hätte. Diese widerspruchsvolle Entwicklung spiegelt sich in den Hypothekenbankbilanzen wider. Bei der Hypothekenbank in Hamburg wurden im Geschäftsjahr 1958 Pfandbriefe und Kommunal-Obligationen für 145,9 Mill. DM verkauft, 1959 waren es 126,9 und 1960 nur noch 68,9 Mill. DM. Eine Steigerung des Neugeschäftes, so ist im Geschäftsbericht zu lesen, wäre möglich gewesen, wenn die Bank stärker als bisher gewerblich genutzte Bauobjekte beliehen hätte, weil hier immer eine Nachfrage nach langfristigem Hypothekenkapital zu marktüblichen Bedingungen bestand. Es wird zwar nicht gesagt, warum man hier zurückhaltend war, aber man kann es unschwer erraten: Angesichts der hohen Bau- und Bodenpreise sieht man in diesen Objekten hinsichtlich ihrer Rentabilität einiges Risiko, das man zu vermeiden sucht. Also kein Geschäft um jeden Preis. Die Neuabschlüsse im Beleihungsgeschäft 1960 wurden deshalb überwiegend auf dem Gebiet des Wohnungsbaus abgeschlossen.

Die Zurückhaltung kann sich die Bank auf Grund ihrer ausgezeichneten Rentabilität, für die sie die Grundlagen in den letzten Jahren geschaffen hat, auch leisten. In der Gewinn- und Verlustrechnung sind die Zinseinnahmen auf 33,9 (28,8) Mill. DM gestiegen, Darlehensprovisionen gingen allerdings auf Grund des geringen Neugeschäftes auf 3,9 (5,9) Mill. DM zurück. Nach den Ausführungen im Geschäftsbericht brauchen sich die Aktionäre aber keine Sorgen über die künftige Entwicklung zu machen. Die aus der Gewinn- und Verlustrechnung erkennbare Minderung des Gesamtgewinnes (abzulesen auch an den auf 1,4 [2,4] Mill. DM reduzierten Steuern) ist zum Teil auf Sonderfaktoren zurückzuführen.

Deshalb konnte die Bank auch unbedenklich ihre Dividende auf 15 (14) vH erhöhen. Dafür hat sie die Zuweisung an die Rücklagen auf 2 (3) Mill. DM vermindert. Die Bank erwartet für 1961 ein lebhaftes Neugeschäft. Sie möchte deshalb die Umlaufsgrenze für Pfandbriefe erweitert haben. Die Bank schlägt deshalb ihren Aktionären eine Kapitalerhöhung 3 : 1 zu 200 vH vor. –ndt