b. k. Berlin

Wie man kommunistisch gesinnte Kollegen mit lautloser Gewalt aussondert, haben die Arbeiter des Eternit-Werks in Berlin-Rudow in der vergangenen Woche durch eine Aktion gezeigt, die kaum ihresgleichen hat in der jüngeren Berliner Gewerkschaftsgeschichte.

In Westberlin stehen Betriebsrätewahlen bevor. Durchweg sind die Kandidaten auf Einheitslisten nominiert, die von den Funktionären der Industriegewerkschaften zusammengestellt wurden. Die zahlenmäßig sehr geringen oppositionellen Kräfte, meist Mitläufer oder Gesinnungsfreunde der SED, versuchen, in direkter Aktion die Nominierung der Kandidaten zu beeinflussen.

Nach der Darstellung der Ostberliner Presse sah das in den Rudower Eternit-Werken so aus: „Durch einige Abteilungen des Werkes ging dieser Tage ein Arbeiter mit einer Liste in der Hand. Er fragte seine Kollegen, ob sie es richtig fänden, daß die Firmenleitung fünf Kandidaten für die bevorstehende Wahl des Betriebsrates gestrichen hat. Nein, sie waren damit nicht einverstanden! Sie bekräftigten ihre Ablehnung auch durch Unterschrift. Aber noch bevor der Mann mit seiner Liste die Werkhalle verließ, geschah das: Vertreter der Direktion erschienen, führten ihn ab und verlangten die Herausgabe der Unterschriftenliste. Ein Aufmucken von Arbeitnehmern in dieser Form sei im Betrieb nicht gestattet, meinten sie“.

Nach der Darstellung der Industriegewerkschaft Chemie, Papier und Keramik“, in der die meisten der rund 2000 Arbeiter des Rudower Betriebes organisiert sind, war freilich in ganz anderer Richtung aufgemuckt worden. Von den DGB-Vertrauensleuten und nicht von der Werkleitung war beschlossen worden, jene Kollegen von der Kandidatur für die Betriebsratswahl auszuschließen, die Ostkontakte unterhalten. Das waren immerhin fünf von 15 Kandidaten.

Die Betroffenen gingen zur Gegenoffensive über. Sie begannen Unterschriften zu sammeln und verschickten Propagandamaterial. Diese Aktion fand jedoch ein von den Propagandisten unerwartetes Echo.

Einzelne Abteilungen des Betriebes legten eine zweistündige Streikpause ein. Eine außerordentliche Betriebsversammlung wurde einberufen. Und dort wurde beschlossen, die SED-Freunde aus dem Betrieb zu entfernen, falls sie weiter agitieren sollten.

Die kommunistische Presse Ostberlins hat ihren Lesern geflissentlich verschwiegen, welchen Erfolg die sonst so sehr gelobte direkte Demokratie der Werktätigen in dem Westberliner Betrieb hatte. Resigniert heißt es: „Der undemokratische Anschlag bei Eternit wäre nicht durchgekommen, wären Vertrauensleute mit Rückgrat der Direktion entschlossen entgegengetreten Der SPD-Landesvorstand dagegen hat den Eternit-Arbeitern gratuliert.