G. Z., Frankfurt

Auch den Müll sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Vor allem für die Kommunen ist der Müll eine Aufgabe, ein „echtes Anliegen“. Wir haben jetzt erst wieder einmal in Frankfurt gesehen, wie bedrohlich die Lage wird, wenn man in den Rathäusern keine rechte Antwort mehr weiß auf die Frage: Wohin mit dem ganzen Dreck? Aber in der Mainmetropole, packte man das Problem herzhaft an und beschloß – eine Müllverbrennungsanlage zu bauen.

Aber bei aller Entschlossenheit ließen es die Frankfurter auch nicht an Vorsicht fehlen. Erst einmal sehen, meinten sie, wie so eine Müllfabrik funktioniert. Mehr noch: Man mußte schließlich zunächst einmal genau wissen, wie sich der Frankfurter Müll im Verbrennungsofen verhält. Also wurde sorgfältig eine Expedition ausgerüstet, die in das ferne Hamburg vordringen sollte. Dort nämlich fährt man den Müll nicht mehr auf Halden, sondern er wird – zum Wohle des Gemeinwesens – verbrannt. Eine stattliche Kolonne von städtischen Müllwagen wurde zusammengestellt, die Ladung wohl gemischt von den Schuttabladeplätzen aller Stadtteile. Denn, so sagte man sich, der Westendabfall ist schließlich nicht mit dem Mülltonneninhalt von Bornheim oder dem Ostbahnhofviertel zu vergleichen.

So fuhren sie also Hunderte von Kilometern nach Norden, um in der Hamburger Anlage zu verbrennen, was in Frankfurt in die Mülleimer geworfen worden war. Für die Müllkutscher war dies ein besonderes Erlebnis: den Himmel über sich, den Müll hinter sich – großen Abenteuern entgegen.

Das Experiment klappte vorzüglich: Er brannte, der Müll, und man gewann „wertvolle Aufschlüsse“.

Doch was ein gründlicher Müll-Vernichtungs-Planer ist, der macht sich auch noch die Erfahrungen des Auslands zunutze. So charterte in der vergangenen Woche die Stadtverwaltung ein Flugzeug und verfrachtete 40 Müll-Experten zu einem Erkundungsflug nach Lausanne. Nun muß allerdings gesagt werden, daß man dabei eine große Unterlassungssünde beging: Es wurde kein eigener Müll mitgenommen, nicht einmal eine Aktentasche voll. Und das kann ja nicht gut gehen, bei allem Vertrauen zur Schweiz und ihren Müllvernichtungsanlagen...