Der deutsche Aktienmarkt wird allem Anschein nach in den nächsten Wochen um ein interessantes Papier bereichert werden. Die vor einigen Jahren von dem bekannten Münchener Finanzmakler Münemann erworbene „Getreide-Handelsbank AG, Darmstadt“, die dann später in Investitions- und Handels-Bank AG, Frankfurt/Main, umfirmierte, beabsichtigt nämlich, einen Teil ihrer Aktien über die Börse zu verkaufen. Richtiger ausgedrückt: Münemann als Hauptaktionär wird einen Teil der Aktien aus seinem Besitz abgeben. Er hat dann Kontakt zur Börse.

Die Investitions- und Handels-Bank AG hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Kein Wunder, wenn man den ideenreichen Finanzmakler Münemann hinter sich hat. Als er die Bank seinerzeit erwarb, kam es ihm darauf an, den Paragraphen 3 des Kreditwesengesetzes, der die Neugründung eines Bankinstitutes von einer behördlichen Erlaubnis abhängig machte, zu umgehen. Damals mußte er erhebliche Zweifel hegen, ob man ihm, dem von einflußreichen Bankiers angefeindeten Finanzmakler, den Zutritt zum Bankgewerbe gestattet hätte. Inzwischen haben sich die streitenden Parteien geeinigt. Glücklicherweise, kann man sagen, denn die Auseinandersetzungen schädigten das Ansehen aller Beteiligten. Münemann ist nunmehr „hoffähig“ geworden; jetzt strebt er die „Börsenfähigkeit“ an. Soweit zur Vorgeschichte.

Als Münemann die heutige Investitions- und Handels-Bank erwarb, betrug ihr Grundkapital 1,4 Mill. DM. Inzwischen hat er das Kapital auf 22,5 Mill. DM erhöht. Er hat also tief in seine Tasche greifen müssen, um dem Institut eine solide und ausbaufähige Basis zu geben. Das ausgewiesene Eigenkapital, also einschließlich der 2,4 Millionen Rücklagen, beträgt zur Zeit fast 25 Millionen DM.

Aber der Kapitalaufbau geht weiter. Die Hauptversammlung der Bank hat am 15. März 1961 genehmigtes Kapital von 11,25 Mill. DM geschaffen. Wenn Münemann auch dies übernehmen will, dann werden seine Mittel abermals kräftig beansprucht werden. Und das möchte er offensichtlich nicht. Es heißt deshalb, daß Münemann bis 25 vH seiner Beteiligung, vielleicht auch etwas mehr, breit gestreut verkaufen möchte. Um dies vorzubereiten, wird demnächst der Antrag auf Zulassung der Aktien zum Börsenhandel gestellt werden.

Die Zulassungsstelle wird diesem Antrag natürlich nur dann stattgeben, wenn Münemann tatsächlich genügend Material an die Börse gibt, damit sich ein Markt bilden kann. Außerdem muß ein ausführlicher Prospekt veröffentlicht werden, der alle Fragen anschneidet, die einen Aktionär interessieren könnten. Erst wenn man den Prospekt und den Preis kennt, den Münemann für seine Aktien fordert, wird man sagen können, meine verehrten Leser, ob die Münemann-Aktien eine gute Kapitalanlage darstellen oder nicht.

Natürlich macht man sich an der Börse schon heute Gedanken darüber, was die Münemann-Aktien wohl wert seien. Man kennt die letzte Bilanz des Frankfurter Instituts, und man kennt das, was die Verwaltung bereitwilligst zum Geschäftsverlauf sagte. Danach dürfte feststehen, daß Münemann nicht nur neues Kapital in die Bank gebracht hat, sondern ihr auch bei der Anbahnung neuer Geschäftsbeziehungen Hilfestellung leistete. Die Bilanzsumme erhöhte sich von Ende 1958 = 140 Mill. DM über 196 Mill. DM Ende 1959 auf nunmehr 343 Mill. DM. Das Bilanzvolumen stieg von 219 Mill. DM Ende 1959 auf 473 Mill. DM, d. h. um etwa 116 vH.

Die von der Bank ausgereichten Schuldscheindarlehen – ein Geschäft, in dem Mundmann naturgemäß besonders bewandert ist – erscheinen nicht im Bilanzvolumen. Im vergangenen Jahr neugewährte Darlehen, sie dürften von beachtlicher Höhe gewesen sein, wurden restlos fest placiert. Für die Bank bestehen hieraus keine Verpflichtungen mehr.