Schon im vergangenen Jahre war die Verwaltung des niederländischen Konzerns N. V. Philips’ Gloeilampenfabrieken, Eindhoven, dazu übergegangen, ihren Geschäftsabschluß auch mit der westdeutschen Wirtschaftspresse zu diskutieren. Diesen Schritt begrüßenswerter internationaler Publizität rechtfertigt nicht nur die Tatsache, daß das weltbekannte – vorwiegend in der Elektroindustrie beheimatete – Unternehmen in der Bundesrepublik einen anerkannten Schwerpunkt hat; auch das deutsche Börsenpublikum interessiert sich in zunehmendem Maße für Philips-Aktien, die seit gut zwei Jahren in Berlin. Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München notiert werden. Nach den Schätzungen der Philips-Verwaltung befanden sich bis zum April vorigen Jahres etwa 2 vH des Kapitals von 795 Mill. Gulden in Händen deutscher Anleger. Dieser Anteil dürfte sich seitdem noch erhöht haben. Die Kursentwicklung – von dem Einführungskurs von 286 auf 1220 am 9. März – geht über den üblichen Rahmen hinaus.

Für das abgelaufene Geschäftsjahr wird zunächst eine unveränderte Dividende ausgeschüttet. Die Stammaktien werden wiederum mit 16 vH und die Vorzugsaktien mit 8 vH bedient. Aber der für den Anteileigner interessantere Teil der Ausschüttung besteht in der Verteilung einer Stockdividende zu Lasten der Agio-Rücklage. Auf die Stammaktien entfallen wiederum 5 und auf die Vorzugsaktien 1 vH. Zum dritten Mal bessert Philips auf diese Weise die Normaldividende auf, ein angenehmer Brauch, der zudem für die Aktionäre noch einkommensteuerfrei ist. Die jungen Gratisaktien sind bereits im laufenden Jahr gewinnberechtigt.

Angesichts dieser nicht unerheblichen „Nebenleistungen“ – die der Philips-Aktie immerhin eine Gesamtrendite von 6,35 vH sichert – werden die Aktionäre die Beibehaltung der Vorjahrsdividende verschmerzen können, obwohl das vorliegende Ergebnis selbstverständlich auch einen höheren Satz hergegeben hätte. Immerhin ist der im Unternehmen verbliebene Gewinn, wie die Verwaltung freimütig bekanntgibt, von 217 im Vorjahr auf 257 Mill. Gulden angewachsen. Das entspricht – bei einer Zunahme des Ausschüttungsbetrags von 133 auf 140 Mill. Gulden – 65 (62) vH des Gesamtgewinns. Wie Professor A. Goudeket für die Philips-Verwaltung betonte, ist der Philips-Konzern an einer konstanten Entwicklung der Dividende interessiert. Zudem müsse man bei einer Beurteilung der Gewinnverwendung vor allem berücksichtigen, daß das Unternehmen in eine neue Expansionsphase eingetreten ist, die erhebliche finanzielle Mittel erfordert. Im Berichtsjahr hat die N. V. Philips bereits ihre Investitionen um mehr als 50 vH auf 425 (279) Mill. Gulden heraufgesetzt. Dieser Betrag wird sich nach Auskünften der Verwaltung im laufenden Geschäftsjahr noch weiter auf voraussichtlich 450 Mill. Gulden erhöhen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß bei Philips in absehbarer Zeit wieder eine Kapitalerhöhung heranreift. Allerdings sei, wie ausdrücklich erklärt wird, im Jahre 1961 nochnicht mit der Ausgabe junger Aktien; zu rechnen.

Das Geschäftsjahr 1960 bezeichnete Professor Goudeket als „ein gutes Jahr“. Der Konzernumsatz hat mit 4,762 (4,182) Mrd. Gulden wiederum eine stattliche Ausweitung erfahren. Jedoch blieb die Zuwachsrate von 14 (16) vH unter der des Vorjahres. Als Gründe hierfür werden geringfügige Preisrückgänge in einzelnen Ländern genannt und eine gewisse Stagnation im Fernsehgeschäft, vor allem in Großbritannien und in der Bundesrepublik. Die negativen Einflüsse haben sich ausschließlich im 4. Quartal bemerkbar gemacht. Aber das Unternehmen rechnet weiterhin optimistisch mit einem Anhalten der Expansion. Im laufenden Jahr wird ein Gesamtumsatz erwartet, der die 5-Milliarden-Grenze überschreitet.

Auf eine Aufgliederung des Umsatzes nach den einzelnen Produkten des Konzerns verzichtet die Verwaltung. Es wird lediglich erklärt, daß die Gruppe Radio und Television den größten Anteil am Philips-Geschäft hat. Das ist andererseits auch die Sparte, deren Zuwachsraten von anderen Betätigungsbereichen des Unternehmens gegenwärtig stark überrundet werden. So nahm der Umsatz der Gruppe Licht um 16 (6) vH, Fernmeldewesen 33 (4) vH und der Absatz auf dem Röntgengebiet um 19 (2) vH zu. Allerdings sei auch – so betont die Verwaltung – für die umsatzstärkste Gruppe, dem Radio- und Fernsehgeschäft, eine generelle Marktsättigung noch keineswegs in Sicht.

Ingrid Neumann