O. v. L., Memmingen

Mit Pauken und Trompeten fiel der CSU-Kandidat durch – am vorletzten Sonntag in Memmingen, wo die Bevölkerung einen neuen Landrat zu wählen hatte. Jakob Fickler, 51 Jahre alt, bislang stellvertretender Landrat, und nun, als Mann der Christlich-Sozialen Union, selbstverständlich Favorit, erhielt 29,8 Prozent der abgegebenen Stimmen. Martin Frehner, elf Jahr jünger, Kreisoberinspektor und benannt von der „Christlichen Wählergemeinschaft/FDP‘, brachte es dagegen auf 70,2 Prozent.

Seither zerbrechen sich die Parteistrategen den Kopf über dieses befremdliche Resultat. Memmingen, ein aufstrebender Landkreis im schwäbischen Teil Bayerns, gilt nämlich seit eh und je als ausgesprochen CSU-treu. Karl Lenz, der im Dezember verstorbene Landrat, war ein durchaus profilierter Christsozialer und wurde mit schier überwältigender Mehrheit stets aufs Neue in seinem Amt bestätigt. Warum also, fragt sich die CSU, diese Blamage mit Fickler, einem ja auch sehr bewährten Mann?

Des Rätsels Lösung ist einfach; Von Blamage kann überhaupt keine Rede sein. Fickler war den Memmingern wahrscheinlich zu bewährt. In seinem selbstverfaßten Lebenslauf wird eine Serie von ehrenvollen Posten aufgeführt; dann heißt es pauschal weiter: „Mitbegründer und Vorsitzender der verschiedensten Körperschaften und Organisationen“. Diese Angaben finden sich im offiziellen „Handbuch des Bayerischen Landtags“ (selbstverständlich ist er auch Abgeordneter).

Frehner hingegen war bis jetzt außerhalb von Memmingen ein Unbekannter. Er hatte seinen Schreibtisch im Landratsamt und bearbeitete den Haushalt des Kreises – mithin ein kleiner Beamter.

Auch Landrat Lenz hatte bis 1954 im Bayerischen Landtag gesessen. Dann stellte ihn die CSU nicht mehr auf; es wurde eine Affäre bekannt, die die Memminger selbst nicht weiter tragisch nahmen. Interessant fanden sie aber dies: Lenz verbrachte fortan nicht mehr einen großen Teil seiner Zeit in München, sondern blieb ganz im Lande; seine Arbeitskraft kam ausschließlich den Memmingern zugute.

Als Lenz das Zeitliche segnete, zogen die Schwaben ihre Folgerungen. Die CSU, der Ämterhäufung nie abgeneigt, nominierte den vielengagierten, repräsentativen Abgeordneten; die anderen Parteien setzten sich zusammen und berieten darüber, ob man denn nicht einen Fachmann finden könne. Diesem Fachmann gaben dann auch die meisten der bisherigen CSU-Wähler ihre Stimme.