stuck-/ Köln

Es begann am Vorabend der Wahl mit einem völlig neuartigen Ereignis: Während die Kandidaten im Wagenkorso durch die Straßen fuhren und um die Stimme ihrer Mitbürger baten, forderte ein SPD-Kandidat im Landkreis Jülich dringend, ihn nicht zu wählen. Er hatte Gewissensbisse bekommen: Er könne „die Parteilinie nicht mit seiner christlichen Lebensauffassung vereinbaren“. Dies war ihm so spät eingefallen, daß es zu einem offiziellen Rücktritt zu spät war. Die Aufregung war indes umsonst: Er wäre ohnehin nicht durchgekommen.

Ein weniger ausgeprägtes Gewissen hatten SPD- und CDU-Plakatkleber Samstag abend in Heessen bei Hamm in Westfalen. Statt die eigenen Plakate zu kleben, versuchten sie, die gegnerischen zu entfernen. Und schließlich gingen sie mit Pinsel und Leimtopf aufeinander los. Übrig blieben überklebte und zerfetzte Plakate und eine zerbrochene Scheibe.

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Eine zerbrochene Scheibe gab es auch am nächsten Morgen in Mülheim an der Ruhr, dieses Mal unter Aufsicht der Polizei. Dort konnten der Wahlvorsteher und seine Helfer eine Stunde lang nicht ins Wahllokal – eine Wirtschaft. Der Besitzer war nicht aufzufinden. Die Polizei sorgte – gewaltsam – für die Eröffnung der Wahl. Später kam auch der Wirt. Er wußte von nichts. Er hatte das Lokal erst vor zwei Tagen übernommen. Der Vorgänger hatte ihm nichts gesagt.

Auch die 150 Einwohner einer Siedlung in Wesel am Niederrhein hätten beinahe nicht wählen können. Man hatte vergessen, die Leute in die Wahllisten einzutragen. Ob die nachträgliche Eintragung rechtens ist, muß erst noch geprüft werden. Den Ärger hat der Wahlleiter.

Ärger und dazu viel Schweiß gab es in Witten/Ruhr. Nachdem die Wahlurnen mit den Briefwählerstimmen in die Lokale gebracht worden waren, mußten sie mit Brecheisen geöffnet werden. Der Verantwortliche hatte die Schlüssel mitgenommen und war nicht aufzufinden.