rs., Berlin

Zwischen Bahnhof Friedrichstraße und Weidendammbrücke erhebt sich hinter einer kargen Rasenfläche ein Ausstellungsbau. Er muß hin und wieder für eine Propagandaschau der Ostberliner Machthaber herhalten. Zur Zeit lautet das Thema: Afrika.

Draußen fängt’s zunächst recht harmlos an. Aus versteckten Lautsprechern tönt näselnder Singsong und das dumpfe Stakkato der Tamtams. Afrikanische Folklore an der Friedrichstraße.

Drinnen freilich kommt’s knüppeldick. In langer Front, es mögen an die zwanzig Meter sein, sind runde Guckkastenlöcher, durch die man ins Kolonial-Gruselkabinett blicken kann.

Negerkinder in Ketten, etwa aus dem Jahre 1910. Auspeitschung eines Farbigen, ersichtlich noch älteren Datums. Genaues weiß man nicht; denn die Reproduktionen sind von so schlechter Qualität, daß der Beschauer nur erraten kann, wann und wo solches geschehen sein mag. Die Texte sagen es nicht.

Die belgischen Fallschirmjäger am Kongo sind neueren Datums. Von ihnen wird berichtet, daß sie die friedliebende und um Ordnung bemühte Regierung Lumumbas zu vertreiben suchten, nachdem die Regierung in Brüssel vorher den belgischen Siedlern, Ingenieuren und Kaufleuten den Befehl erteilt hatte, den Kongo zu verlassen, damit dies blühende Paradies im wirtschaftlichen Sumpf versinke.

Nächstes Guckloch: ein vielstöckiger und moderner Betonbau, mitten zwischen ärmlichen Holzhütten. Erfreuliches aus Guinea. Dort haben die Farbigen die Wohnungen ihrer weißen Unterdrücker übernommen.