In Genf sitzen seit Dienstag wieder die Unterhändler der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und der Sowjetunion am Konferenztisch. Die Entwürfe für ein Abkommen über die kontrollierte Einstellung der Atomversuche, die bei dieser Sitzung – der 274. seit dem Oktober 1958 – vor den Delegierten lagen, unterschieden sich wesentlich von jenen, mit denen sie vor zweieinhalb Jahren begonnen hatten. Dennoch: Es bleibt noch immer eine Anzahl offener Fragen. Vor allen Dingen die Inspektionsfrage ist noch ungelöst.

Unüberwindbar sind die Gegensätze zwischen Ost und West allerdings nicht. Zumindest sind sie zu überbrücken, wenn die Partner dies wirklich wollen. Bisher ließen die Amerikaner diesen Willen ebenso vermissen wie die Sowjets. Kennedy hat inzwischen die Haltung der Vereinigten Staaten geklärt: Er will das Teststopp-Abkommen – vorausgesetzt, daß es auch die Russen ehrlich anstreben. Die jetzt wiederaufgenommenen Verhandlungen werden in Washington jedenfalls als Prüfstein der sowjetischen Aufrichtigkeit betrachtet.

Um die Abrüstung geht es in Genf noch nicht. Es geht nur darum, das Crescendo des atomaren Wettrüstens zu dämpfen und die gefährliche Spiralbewegung der modernen Waffentechnik zum Stillstand zu bringen. Ein Abkommen über die Atomversuchseinstellung könnte indessen einer wirklichen, umfassenden Abrüstungsvereinbarung den Weg ebnen. Auf alle Fälle wären die Abrüstungsgespräche, die im August wiederaufgenommen werden sollen, von vornherein zum Scheitern verurteilt, wenn jetzt die Genfer Dreimächtekonferenz abermals im Sande gegenseitigen Mißtrauens oder einseitiger Verbohrtheit verlaufen sollte. Th. S.