Das Sorgenkind der Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-AG (VEBA), die Bergwerksgesellschaft Hibernia AG, scheint sich zu mausern. Nur noch die Kokereien arbeiteten im Jahre 1959 mit „erheblichen“ Verlusten, während die Zechen ihr Vorjahresergebnis behaupten konnten. Die chemischen Betriebe der Hibernia machten jedoch die Kokerei-Verluste mehr als wett, so daß im Geschäftsjahr 1959 ein um 1,2 auf 20,2 Mill. DM erhöhter Reingewinn erwirtschaftet werden konnte. Das erlaubte trotz erhöhtem Aktienkapital die Abführung einer Dividende von unverändert 6 vH an die VEBA-Mutter (20,1 gegenüber 18,9 Mill. DM im Vorjahr), womit diese wiederum über den Berg war. Denn die Erträge der VEBA aus ihrer hundertprozentigen Hibernia-Beteiligung sind ihr finanzwirtschaftlicher Rückhalt; sie machen mehr als 50 vH der gesamten Beteiligungserträge aus.

Die zweitwichtigste Tochter dieser bundeseigenen Holdinggesellschaft, die Preussenelektra, schlug für 1959 ihrer Dividende von unverändert 11 vH einen zweiprozentigen Bonus zu, so daß sich der Preussenelektra-Ertrag der VEBA gegenüber dem Vorjahr um 2,55 Mill. DM auf 14,88 Mill. DM erhöhte. Damit war die infolge der Teilprivatisierung der Preussag entstandene Ertragschmälerung (die Preussag zahlte 1959 an die VEBA nur noch 2,91 nach 5,25 Mill. DM im Vorjahr) mehr als ausgeglichen.

Der Erhöhung der VEBA-Dividende für das Geschäftsjahr 1959/60 (30. September) von 7 auf 8 vH stand nun nichts mehr im Wege. Auf der Auswandsseite der Gewinn- und Verlustrechnung „normalisierten“ sich die Steuern vom Einkommen, Ertrag und Vermögen von 16,1 Mill. DM im Geschäftsjahr 1958/59 auf nur noch rund 2,95 Mill. DM. Die verhältnismäßig hohe Steuerlast des vorigen Geschäftsjahres erklärt sich mit dem außerordentlichen Ertrag aus der Preussag-Privatisierung, der einer scharfen Besteuerung unterlag. Für 1959/60 wird ein Reingewinn von 37,5 Mill. DM ausgewiesen, der eine Dividende von 8 vH auf das unverändert 450 Mill. betragende Grundkapital zuließ. Der Bundesfinanzminister kann sich nun also über einen Dividendenertrag von 36 Mill. DM freuen, das sind 4,5 Mill. DM mehr als im Vorjahr.

Ebenso erfreuliche Fortschritte hat die VEBA auch in punkto Schuldenabbau gemacht. Die Verbindlichkeiten wiesen im Berichtsjahr einen Rückgang um fast 68 Mill. DM aus. Die Kapitaleinzahlungsverpflichtungen gegenüber Preussenelektra und Hibernia wurden gelöscht, die 7,5prozentige Anleihe von 1954 voll und das Scholven-Bundesdarlehen mit 0,5 Mill. DM zurückgezahlt. Die Verbindlichkeiten stehen nun nur noch mit 38,0 Mill. DM zu Buche. Die gesetzliche Rücklage beträgt unverändert 100 und die freie 52,75 Mill. DM. Ein beachtliches Reservepolster, über das die VEBA nun verfügt. Die eigenen Mittel decken das Anlagevermögen nach wie vor und haben ihren Anteil an der Bilanzsumme von 80 auf 88 vH erhöht. Mit einem Wort: die Vermögens- und Finanzlage der VEBA ist als überaus gesund anzusprechen, der Preussag-Privatisierungserlös hat eine gute Verwendung gefunden. Ja – es fragt sich sogar, ob das nach wie vor 450 Mill. DM betragende Grundkapital in dieser Höhe nun noch berechtigt ist. Nach dem aus der Preussag-Privatisierung entstandenen bilanzmäßigen Substanzverlust hat sich 1959/60 die Bilanzsumme weiter um 63 auf 690,6 Mill. DM verkürzt. Doch die Verwaltung wird ihre Gründe haben, am bisherigen Grundkapital festzuhalten. Tatsächlich könnten sich bei den Tochtergesellschaften schon bald weitere Kapitalerhöhungen als notwendig erweisen. Ch.