Vom Wesen und Werden der deutschen Dichtung

Eine Zitat-Auswahl

Deutschland zwischen den Kriegen

Bald indes besann sich das deutsche Volk auf seine geistigen Kräfte und entfaltete auf allen Gebieten ein regsames Suchen nach einen neuen Welt- und Menschenbild ... Dann aber trieben steigende wirtschaftliche Not, politische Härten und Ungerechtigkeiten gegen Deutschland sowie mangelnder Halt an zeitlosen Werten zu unseliger Einseitigkeit. Das Unheil des zweiten Weltkriegs stürzte Deutschland und die Walt noch tiefer in Verwirrung.

Thomas Mann

Thomas Mann ragt durch den Umfang und die Vielseitigkeit seines Werkes hervor ...

So ist sein Dichten von einem tief pessimistischen Grundton bestimmt; seine vordergründige Sicht auf die Verfallserscheinungen versperrt ihm den Blick für tiefere, übersinnliche Bezüge.

(Lotte in Weimar) In weitschweifigen Gesprächen trägt er (Goethe) neben vielen Plattheiten die Ansichten Thomas Manns über die europäische Humanität, über Deutschland, die Judenfrage usw. vor. Bei dem für Mann bezeichnenden Versuch, Goethes Schaffen aus krankhaften Ursprüngen zu erklären, verliert er selbstherrlich die echte Größe der Leistung Goethes aus dem Auge.

Vom Wesen und Werden der deutschen Dichtung

Storm

Das Heil und die Dauer der Familie als sittlicher Grundlage des Staates sind der eigentliche Gehalt in Storms Novellendichturig.

Nazilyrik

Von der politischen Zroeckdichtung der nationalsozialistischen Kriegslyrik hat kaum etwas Bestand. Doch sind gelegentlich auch echte Klänge laut geworden, wie etwa das Kameradenlied von Heribert Menzel ("Wenn einer von uns müde wird, der andre für ihn wacht") oder einige Gedichte von Gerhard Schumann ("Nun muß ich knien ins Herz des Lichtgefildes") oder Bodo Schütts "Herz unter dem Schicksal" ...

Brecht-

Das epische Theater steht im Gegensatz zum "dramatischen" Theater. Während dieses einen festen Aufbau (5 Akte, Exposition, Höhepunkte, Umschwung usw.) hat, verzichtet das epische Theater hierauf. Es reiht erzählend Bilder aneinander, wie etwa auch der Film, in losem Zusammenhang. Der Zuschauer soll nicht durch ein festes Gefüge, sondern durch eine flutende Folge, nicht statisch, sondern dynamisch beeindruckt werden.

Freilich ist dieser dramaturgische Gedanke gar nicht so neu. Wir finden ihn auch bei Grabbe und Büchner, dann bei Hauptmann (z. B. die "Weber"); auch Goethes "Götz" ist eine ungezähmte Bilderflut.

Vom Wesen und Werden der deutschen Dichtung

Hofmannsthal

Er begann als Achtzehnjähriger mit dramatischen Spielen voll müden, vom Leben satten und abgestoßenen Verzichts. Er beschloß sein Lebenswerk gereift und verinnerlicht, ausgerichtet auf eine höhere, im Christentum verankerte Ordnung, aber auch in schmerz voller Einsicht in den ewigen Zwiespalt zwischen Roheit und Geist.

Vorspruch

Die Umschlagzeichung meint im Symbol des Brunnens die Dichtung als zeitlos strömenden, sich selbst erneuernden und in Form gefaßten Quell seelischen Erlebens.