Nein, von CDU oder DP hat der Herr Pfarrer nichts gesagt, auch nichts von FDP, von SPD und BHE. Er sagte nur: „Heute ist Gemeindewahl. Dabei wollen wir an die Kandidaten denken, die den Willen haben, aber auch, ich sage das ausdrücklich, die Fähigkeit, die katholischen Belange zu vertreten.“ Und dann las er ein Aufgebot vor und den Tag einer Seelenmesse, blätterte eine Seite um und las: „Morgen ist Josephstag“. Und danach fand er beschwörende Worte über die Armut der Menschen in den unterentwickelten Ländern und fügte hinzu, man werde jetzt gleich nicht mit dem „Klingelbeutel“ kommen, sondern mit dem Geldkorb, und er wolle nicht Groschen, sondern Scheine sehen.

In der Gemeinde ist niemand, der diesen Pfarrer nicht hochschätzt – wegen seiner Offenheit, und weil seine Frömmigkeit zupackend und ohne Umschweife ist. Aber muß er mir sagen, daß ich, wenn ich zur Wahl gehe, einen Katholiken wählen soll? Ich wähle gern Kampfdemokraten, aber Kampfe katholiken nicht. Im Augenblick allerdings blätterte ich in meinem Taschenkalender. Kein Zweifel: Es war der 19. März. Und ich weiß von Jugend auf: das ist mein Namenstag. Heute, am 19. März, nicht einen Tag später! Den Tag des geduldigsten und fleißigsten aller Heiligen einfach verschoben! Das kränkte mich, wo doch daheim Blumen stehen zu Ehren meines Schutzpatrons.

Hinzufügen muß ich noch, daß ich kein schlechtes Gewissen hatte, obwohl ich mitten im Gottesdienst im Kalender blätterte. Der Pfarrer hat ja auch kein schlechtes Gewissen gehabt, als er – mitten im Gottesdienst – Wahlpropaganda machte.

J. M.-M.