Glauben Sie mir, die Tage Ihrer Universitäten sind auch gezählt, und am Ende ist’s nicht schade drum. – Thomas Mann (an Professor Ernst Bertram)

Süß lebt sich’s anderswo

Eine Fortsetzung seines Welterfolges „La Dolce Vita“ will der italienische Filmregisseur Federico Fellini drehen. Titel und Inhalt sind noch geheim. Als Drehorte kündigte Fellini Paris, London und Stockholm an. In Frankfurt und Düsseldorf atmete man auf.

Dürfen wir Ehrenburg lesen?

Der Münchner Kindler-Verlag mußte die Veröffentlichung der sechsbändigen Autobiographie des sowjetischen Schriftstellers Ilja Ehrenburg vorläufig zurückstellen, weil Publikum und Fachhandel heftig dagegen protestierten. Ehrenburg soll 1945 in einem Hetzaufruf gegen das deutsche Volk die Rote Armee aufgefordert haben, den „Rassenhochmut der germanischen Frauen mit Gewalt zu brechen und sie als rechtmäßige Beute zu nehmen“. Der Verlag glaubt, daß diese Zitate seinerzeit von Goebbels’, Propagandaministerium verbreitet worden seien, will jedoch die Sache überprüfen lassen. In der Autobiographie findet sich nichts davon. Wenn die Geschichte sich als wahr erweisen sollte, dürfte die Ablehnung dieses Werkes einen triftigen Grund gewinnen: tendenziöse Unvollständigkeit.

Prüfung der Prüfer

Die Entscheidung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften vom 17. Februar (sie setzte den Roman des französischen Schriftstellers Claude Allegre auf ihre Liste) hat unvorhergesehene Folgen gehabt: Es wurde daraufhin – und weil bei der Prüfstelle noch weitere Anträge gegen Publikationen ausländischer Verleger vorliegen – eine „Interessengemeinschaft ausländischer Verleger gegenüber der Bundesprüfstelle“ gegründet. Die Vereinigung hat bereits einen Fachanwalt zum Geschäftsführer berufen und will einen Fonds bilden, um die Judikatur der Prüfstelle dauernd zu prüfen und die ausländische Literatur zu „schützen“.