Paul Klee (1879 – 1940):

„Mein“ Bild gibt es eigentlich gar nicht. Mit diesem Einwurf ziele ich nicht auf die fehlende juristische Begründung des Possessivpronomens. Ich gestehe damit nur meine polygamen Neigungen beim Zusammenleben mit Bildern, von denen mir die meinigen (diesmal juristisch gemeint) immer am nächsten stehen. Aber es gibt einige Ausnahmen von dieser Regel, die eine wirkliche wäre, entspräche meine Börse der vorhin gestandenen Neigung zur Vielbilderhaberei. Eine davon ist Paul Klees „Zwitschermaschine“.

Da ich ermahnt wurde, die professionelle Leidenschaft aus dem Spiel und dafür die persönliche Liebe sprechen zu lassen, sehe ich mich gezwungen, bis in meine Kinderjahre zurückzugehen. Ich lernte die „Zwitschermaschine“ in Richard. Hamanns „Geschichte der Kunst“ (1932 bei Knaur erschienen) kennen und lieben. Rückblickend (und mit eingeblendeten fachlichem Bewußtsein) stört es mich, daß erstens eine Reproduktion so dauerhaften Eindruck hinterließ, und zweitens meine Vorliebe vermutlich von vielen geteilt wird. Aber diese fachbewußten Überlegungen haben nie mein schlichtes Vergnügen an dem Blatt trüben können, das ich in der winzigen Wiedergabe der Hamannschen Enzyklopädie nur als gezeichneten Humor lesen konnte.

In der „neuen durchgesehenen Auflage“ des Hamann, die mir später zur Hand war, verschwand zu meinem Leidwesen die „Zwitschermaschine“ mitsamt der übrigen zeitgenössischen Kunst, wie ja auch das Original aus den Sammlungen der Berliner Museen entfernt wurde, um 1939 vom New Yorker Museum of Modern Art – vermutlich mit Kußhand und für ein Butterbrot – erworben zu werden.

Soweit wäre meine kleine Erinnerung nur eine Romanze mit der graugetönten Reproduktion eines vorgestellten Kunstwerkes, hätte ich nicht viele Jahre später das Glück gehabt, im Magazin des Museum of Modern Art der rosavioletten Wirklichkeit der „Zwitschermaschine“ von Angesicht zu Angesicht zu begegnen.

Sollte nun jemand auf den Gedanken kommen, aus meinem langjährigen Verhältnis zur „Zwitschermaschine“ auf verdrängte Tierliebe oder heimliche Bastellust zu schließen, so wäre er auf einem psychoanalytischen Holzweg. Was mich an der „Zwitschermaschine“ immer fasziniert hat – mit oder ohne Kenntnis des Originals – ist das Unwahrscheinliche dieser spielerischen Mechanik, die gar nicht funktionieren kann und trotzdem die lustigsten Triller produziert.