Im Anfang ist die Liebe – von dort, und nur von dort gibt es Wege, die zu irgend etwas führen. Freilich nicht ohne Mühe. Wer die scheut, verplätschert sich. Ist es ein See, ist es ein Sumpf, der (auf der Steinberg-Karte) die Liebe birgt? Die erste Liebe hat keine Form – bereit ist sie und glaubt, in Bereitschaft sein sei alles.

Die Liebe kann offenbar, wenn wir ihrer Steinberg-Topographie folgen, zu den Sternen, zum höchsten Ruhm führen – oder zur Kunst.

Aber was soll uns der Weg nach links? Er kurvt durch erhöhte Schwierigkeiten (Aufsichtsräte, Kongresse, Parlamente), um schließlich bei der Mittelmäßigkeit gar verlockend zum Verweilen einzuladen. Gewiß, gewiß, es muß nicht dabei bleiben: wer sich zweimal nicht irrt, weder im Weg- und Steglosen landet, noch die Furcht des Herrn als ultima ratio wählt, der kann wohl – in Steinbergs Topographie – zur Wahrheit kommen. Doch offenbar ist das kein letztes Ziel: die Straße führt weiter, in den Tumult, ins Chaos (meine Verdeutschung von aspera), danach (wo es ein Danach gibt) zum Höchsten oder in den Dreck.

Wäre Steinbergs Wegkarte das Weltgesetz (wer sagt uns, daß sie es nicht ist?), dann versuchte ich dort, wo der Weg von der Liebe her über die Mühe auf die Hauptstrecke trifft, einen Wegweiser aufzustellen: Rechts halten!

Mag sein, daß einer dann nur noch bis zur nächsten Station kommt, der tätigen Liebe und dem Mitleiden. Und wäre das wenig?

Danach drohen neue Gefahren. Mächtig erheben sich die Verlockungen des Wohlstandes. Es hat keinen Zweck, ihm ausweichen zu wollen – dieser Weg führt zu nichts. Und wer den Verlockungen erliegt, ihnen solange wie möglich (also in der Horizontale) folgt, dem stehen Gesundheit bevor und Tod – eine nur scheinbar trügerische Hintereinanderstellung.

Offenbar kommt es für den Wanderer, wie Steinberg ihn sich vorstellt, darauf an, nicht rechts geschaut, nicht links geschaut, geradewegs durch den Wohlstand hindurchzugehen. Und alles, was ihn dann noch erwartet, darf als lohnendes Ziel eines auch noch so mühevollen Weges gelten – für einen Künstler von Steinbergs Gnaden bleibt als letztes, verlockendstes: die Kunst. Wir Sterblicheren werden die Blasen, die sich unser Verstand und unser Gefühl gelaufen haben, auch dann nicht bereuen müssen, wenn es uns vergönnt ist, beim Frieden zu enden oder beim Gesetz, bei der Erleuchtung oder gar beim Schönen.

So verstehe ich Steinbergs Wegekarte der Liebe – und so erscheint sie mir liebens – wert.