Ein zwiespältiges Urteil fällte die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank, München, über die Folgen der DM-Aufwertung. Während Vorstandsmitglied Dr. F. W. Kärcher den Schritt vom Standpunkt der Hypothekenabteilung aus begrüßte, kritisierte er andererseits, daß damit der wundeste Punkt der dauernden Preissteigerungen, nämlich die angespannte Lage am Arbeitsmarkt, nicht entscheidend kuriert werden könne. „Eine zweite Aufwertung wäre der größte Mißgriff.“ Er bezeichnete das „Aufwertungsmodell“ als für Westdeutschland ungeeignet, da es keine Arbeitskräfte frei mache. Kärcher verwies auf die Schweiz, die diesem Problem durch eine rechtzeitige Sicherung ausländischer Arbeitskräfte begegnet sei und bezeichnete auch den schwedischen Plan, den Aufschub von Investitionen steuerlich zu begünstigen, als eine gute Lösung.

Die verbesserte Zinsspanne wirkte sich bei der Bank im Berichtsjahr 1960 voll aus. Wie Vorstandsmitglied Max Geiger betonte, hat der Einlagezuwachs, der 1960 rd. 200 Mill. DM betrug, auch im laufenden Jahr angehalten. Bei der starken Flüssigkeit sei es schwierig, das Geld im Inland unterzubringen, so daß man zu Auslands-Engagements gezwungen sei. Andererseits, so betonte Geiger, habe man absolut nicht unter dem Druck „heißer Gelder“ zu leiden. Das Kleinstkreditgeschäft, mit dem man nicht die besten Erfahrungen gemacht habe, würde ebenso wenig forciert, wie man auch auf eine starke Ausdehnung des Zweigstellennetzes – das Institut zählte heute 276 Außenstellen – keinen Wert lege. Aus den Worten Geigers war zu entnehmen, daß die Bank, die ihren Wertpapierbestand um 13 Millionen DM auf 282 Mill. DM erhöht hat, weitgehend um Kursverluste herumgekommen ist.

Das Bilanzvolumen dieses „gemischten“ bayerischen Institutes ist um 10,9 vH auf 4,81 Mrd. DM gestiegen. Nach einer angemessenen Stärkung der stillen Reserven und einer Zuweisung an die Rücklagen von 4,53 (6,3) Mill. DM wird der Hauptversammlung am 12. April eine auf 21 (18) vH erhöhte Ausschüttung auf das von 90,01 auf 100 Mill. DM erhöhte AK vorgeschlagen. Während sich die Dividende auf 16 (14) vH erhöhte, wurde der Bonus auf 5 (4) vH aufgestockt. Bei dem Ausschüttungsmodus wurde in Erwägung gezogen, „daß Steuererhöhungen derartige Ausschüttungen erschweren könnten“. Der Bonus – durch außerordentliche Erträge ermöglicht – stelle eine Erfolgsbeteiligung für die Aktionäre anläßlich des 125jährigen Jubiläums dar. Bei nun 100 Mill. DM Grundkapital haben sich die Rücklagen auf 155 (141) Mill. DM erhöht.

In der Hypothekenabteilung – sie ist an der Bilanzsumme mit 38 vH beteiligt – hat sich das Volumen der umlaufenden Schuldverschreibungen und der aufgenommenen langfristigen Darlehen um 11,5 vH auf 1,79 Mrd. DM erhöht. Einschließlich der treuhänderisch verwalteten Gelder beträgt der Mittelzufluß 200 Mill. DM. Mit 186 Mill. DM im Erstabsatz verkauften Pfandbriefen und Kommunalobligationen blieb man hinter dem Rekordergebnis des Vorjahres um 23 vH zurück, doch hat sich der Verkauf an individuelle Sparer auf 41 (35) vH erhöht.

In der Bankabteilung wird ein um 17,5 vH auf 1,22 Mrd. DM erhöhter Debitorenbestand ausgewiesen; der Bestand an Wechseln stieg um 6,47 vH auf 464 Mill. DM. Bei leicht erhöhtem Einlagenzuwachs trat eine Verlagerung zu den Termin- und Spareinlagen ein, wobei die Spareinlagenbildung von Jahr zu Jahr wichtigster und beständigster Träger des Einlagenzuwachses wird. Während Sichteinlagen leicht auf 803 Mill. DM zurückgingen, stiegen Termineinlagen um 17,6 vH auf 550 Mill. DM und Spareinlagen um 15,3 vH auf 948 Mill. DM und im laufenden Jahr auf 986 Mill. DM.

Nachdem in den ersten Wochen des laufenden Jahres im Erstabsatz der Schuldverschreibungen ein gutes Ergebnis erzielt wurde, wobei über die Hälfte der verkauften Papiere von individuellen Sparern abgenommen wurde, wird für das laufende Jahr ein befriedigendes Ergebnis erwartet. Optimistisch sind auch die Erwartungen der Bankabteilung. Allerdings dürften die Forderungen auf weitere Arbeitsverkürzung im Bankgewerbe und die höheren Lohnkosten das Ertragsbild mit beeinflussen. t. r.