Amerika hat das schönste Obst, aber die riesigen Apfelsinen und die herrlichen rotgelben Äpfel duften nicht. In Amerika kann ein armer Häuslerssohn von der deutschen Waterkant, der ohne einen Pfennig „schwarz“ ins Land kommt, in wenigen Jahrzehnten Millionär werden, aber dann weiß er nicht, was er mit seinem Geld anfangen soll. Es ist eine alte Geschichte, vielleicht bleibt sie nicht einmal ewig neu, aber in

Ludwig Valentin: „Blizzard“; Droste Verlag, Düsseldorf; 315 S., 12,80 DM

wird sie mit merkwürdigem Ausgang eindringlich erzählt. Der große Finanzier A. M. Easterling, ehemals August Martin Osterling, ist in einem Zustand der Übersättigung. Ein vages Gefühl treibt ihn, alles stehen zu lassen und nach Deutschland zu fahren. Auf dem Schiff berichtet er wie unter Zwang jedem, der ihn nur irgend anhören will, von seinen Erlebnissen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten; nachts träumt er von seiner harten Jugend in Kiek in de Mark, wo er als Diener der bösen Grafenfamilie gepeinigt wurde, und von dem korrupten Pierboß in New York, der ihn als Greenhorn nach Strich und Faden betrog.

Mit dem Grafen konnte er nicht abrechnen, so gern er ihm das Haus über dem Kopf angezündet hätte; den Pierboß bringt er dreißig Jahre später um. Er macht sich wenig Gewissensbisse; auch geschäftlich hat er Dreck am Stecken. Trotz alledem wirkt er nicht abstoßend. Denn man kennt alle seine bewußten und halb bewußten Regungen so gut, daß man ihn sieht wie er sich selber – und in eigenen Augen ist niemand ein Schurke. Der rohe Mord erscheint auch darum nicht in gar zu grellem Licht, weil der Roman, bei allem Realismus, etwas Märchenhaftes hat: er spielt nämlich in einer Zeit, die es niemals gab. Manche Zeitgeschehnisse werden erwähnt, zum Beispiel die Prohibition in Amerika, und man kann sich ausrechnen, daß Easterling Anfang der Fünfzigerjahre auf der „Queen Elizabeth“ nach Europa reist. Aber er, der Amerikaner, fährt ohne weiteres per Bahn nach Berlin und von dort im Auto in sein norddeutsches Heimatdorf. Der Krieg, die Teilung Deutschlands und offensichtlich auch der Nationalsozialismus sind einfach nicht gewesen.

Easterling-Osterling verwächst wieder mit der Heimat, und die Kraft, die er sich drüben erworben hat, kommt dem ganzen Dorf zugute. Rache an dem Grafen reizt ihn nicht mehr; wie er kein Knecht sein wollte, will er auch nicht den Herren spielen. Er erkennt, daß seine Zähigkeit ihm den besten Lohn gebracht hat: „Sein Beispiel machte die uralte Trennung des Dorfes in Herr und Knecht zunichte.“ Ludwig Fürst