Beifall und Pfiffe für die Aufwertung, Zeit Nr. 12

Als einfacher Bürger der Bundesrepublik freute man sich über die Aufwertung der D-Mark. Handelte es sich hier doch offenbar um eine entscheidende Maßnahme, die selbst eine Demokratie schnell, überraschend und scheinbar unabhängig von Lobbyisten und Interessentengruppen durchführen konnte.

Als Verbraucher freute man sich ebenfalls. Hatte doch der Herr Bundeswirtschaftsminister zwei Ergebnisse seiner Aufwertung angekündigt:

1. Preissenkung für einfuhrabhängige Waren,

2. billigere Reisen ins Ausland.

Aber was man jetzt allenthalben in den Zeitungen und in der ZEIT liest, sieht so aus, als habe Herr Erhard die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Verärgerung der Industrie über diesen Überraschungsschlag war nur allzu deutlich. Aber – wer zuletzt lacht, lacht am besten. Und so finden sich denn überall Erklärungen, daß die Senkungen der Einfuhrkosten nicht an den Verbraucher weitergegeben werden können. „Können?“ Nicht einmal das Mineralöl kann billiger werden, obwohl Herr Duttweiler und Herr von Opel längst bewiesen haben, daß schon die jetzigen Preise überhöht sind. Und nun feilen auch die Reisebüros mit, daß Auslands-Pauschal-Reisen nicht billiger werden können (?), weil die Touristikunternehmungen auch noch Inlandsverpflichtungen haben. Es geht doch nichts über eine gute Ausrede. Und so scheint es mit den Aufwertungsgewinnen zu gehen wie mit den Marketenderwaren im Kriege. Die Hauptsache bleibt bei den Stäben hängen. Nur traurig für die, die immer das Nachsehen haben – einst an der Front heute als Verbraucher. Dr. E. F. Sievers, Hannover

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