R. S., Bonn, im März

Drei Konferenzen, alle zeitlich dicht nacheinander, alle drei den gleichen oder ähnlichen Themen, gewidmet. Zuerst die Besprechungen in Bonn mit Unterstaatssekretär Ball vom US-State-Department über die Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland an der Entwicklungshilfe. Dabei ging es in der Hauptsache um Grundsatzfragen. Es waren Vorbesprechungen für die Londoner Konferenz der Development Assistance Group (DAG), einer losen Organisation der elf „Geberländer“, die im Januar 1960 gegründet wurde. Es wurde erkennbar, daß die Bundesrepublik wie die übrigen Länder jährlich etwa ein Prozent ihres Bruttosozialprodukts für die Entwicklungshilfe beisteuern soll. Das wären für uns an die drei Milliarden Mark.

Kurz nach Ball kam der britische Schatzkanzler Selwyn Lloyd nach Bonn. Dabei ging es um deutsche Maßnahmen zugunsten der britischen Zahlungsbilanz. Ergebnis der Beratungen mit Erhard, Etzel und Strauß: Die Bundesrepublik wird ihre Nachkriegsschulden an Großbritannien in Höhe von 67,5 Millionen Pfund Sterling (750 Millionen Mark) vorzeitig zurückzahlen. Sie wird weiter das Konto für Rüstungskäufe, das sie bei der Bank von England unterhält, in der gegenwärtigen Höhe von 25 Millionen Pfund bis auf weiteres unangetastet lassen und weitere Rüstungskäufe unmittelbar bezahlen. Während die Bundesrepublik bisher jährlich Rüstungsgegenstände für etwa 14 Millionen Pfund Sterling in England kaufte, wird sie in Zukunft dafür 20 Millionen Pfund ausgeben.

Anfang dieser Woche wurde dann in London darüber beraten, wie die Leistungen der elf DAG-Länder für die Entwicklungshilfe koordiniert werden können. Würde jedes der elf Länder etwa ein Prozent seines Bruttosozialprodukts für diesen Zweck zur Verfügung stellen, dann kämen im Jahr ungefähr 32 Milliarden Mark zusammen. Damit könnte man der wirtschaftlichen Entwicklung der bedürftigen Staaten kräftige Impulse geben.